Google+
Interviews / Management

Management Excellence: Managementinnovationen für eine Arbeitswelt 4.0

Ob Arbeit 4.0 oder Industrie 4.0 – ohne Management 4.0 wird die große Transformation nicht realisierbar sein. Allerdings taugen die aktuellen Managementmodelle nicht dazu, die Wirtschaft in diese neue Ära zu führen. Auch wenn sich in Bezug auf die künftige Technologie derzeit schon erste Konturen abzeichnen, fehlen für ein tragfähiges Management der Zukunft die Ideen. Letztendlich muss sogar die BWL auf die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Unternehmen können nicht über Nacht auf die neuen Technologien umgestellt werden, es ist also ein Migrationsprozess zu entwickeln, der insbesondere die Mitarbeiter mitnimmt und ihnen die notwendigen Kompetenzen und möglichen Perspektiven vermittelt. Management 4.0 darf sich nicht nur auf die Technologie konzentrieren, sondern muss Arbeit 4.0 und Nachhaltigkeit als wesentliche Führungsaufgaben wahrnehmen. Es erfordert Mut und starke Leader um Innovationen im Management erfolgreich umzusetzen. Marco Englert hat sich mit der Expertin Prof. Dr. Anabel Ternès über die Zukunft des Managements und der Arbeitswelt ausgetauscht.

Management 4.0 bedeutet auch Mitarbeiterentwicklung – Prof. Dr. Anabel Ternès im Interview

Frau Prof. Dr. Ternès, werden Unternehmen, die ein nachhaltiges Management wirksam integriert haben, in Zukunft erfolgreicher sein?

Auf jeden Fall und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Einerseits wird eine nachhaltige Unternehmensausrichtung den Wettbewerb beeinflussen. Wer über die kurzfristige Profitgenerierung hinaus blickt und sein Unternehmen anpassungsfähig für kommende Herausforderungen und Veränderungen gestaltet, wird sich schneller auf die jeweiligen Anforderungen des Marktes einstellen können. Motivierte, leistungswillige und innovationsfähige Mitarbeiter transportieren wiederum ebenso ein positives Image authentisch nach außen wie ein intensives gesellschaftliches Engagement, was nicht nur für potenzielle neue Mitarbeiter, sondern vor allem für Kunden interessant ist. Der Innovationszwang wird zur Herausforderung für die gesamte Belegschaft, aus deren täglicher Arbeit und profunder Erfahrung Vorschläge für neue Produkte und Dienstleistungen oder die Einsparung von Ressourcen und Energie generiert und umgesetzt werden können. Das macht das Unternehmen wiederum interessanter für Investoren, sodass die Zukunftsfähigkeit auch in finanzieller Hinsicht gesichert ist.

Krane, Umdenken, Konstruktion, Baustelle, Management 4.0, Arbeitswelt 4.0, Industrie 4.0

Die Neuerungen unserer Zeit erfordern tiefgreifendes Umdenken – nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch auf Führungsebenen: Management 4.0. (© Jesse Roberts | stocksnap.io)

Wie sieht die Rolle eines nachhaltigen Personalmanagements aus?

Das nachhaltige Personalmanagement, das also bevorzugt auf die langfristige Bindung und gezielte Entwicklung von Mitarbeitern setzt, nimmt eine Schlüsselrolle ein, denn dieses Vorgehen kann als erster Schritt hin zur Nachhaltigkeitsstrategie angesehen werden. Sich einerseits der Verantwortung für den Menschen hinter einer Arbeitsplatzbeschreibung bewusst zu werden, dessen individuellen Kompetenzen und Interessen zu identifizieren und gezielt zu fördern, rechnet sich andererseits für ein Unternehmen auf lange Sicht. Die Wertschätzung, die dem Mitarbeiter auf diese Weise vermittelt wird, lässt nicht nur dessen Motivation, sondern vor allem die Verbundenheit mit dem Unternehmen wachsen. Daraus resultieren Leistungs- und Innovationsbereitschaft, die dem Unternehmen deutlich größere Vorteile einbringen können, als dies bei einer auf kurzfristigen Gewinn ausgerichteten Personalpolitik der Fall wäre. Wird diese Verbundenheit von einer authentischen Kommunikation im Unternehmen getragen, die Mitarbeiter an den aktuellen Herausforderungen, Problemen und Erfolgen teilhaben lässt, gewinnt die gesamte Unternehmenskultur in puncto Nachhaltigkeit.

Welche Rolle spielt dabei das Thema Gesundheit, zum Beispiel auch im Kontext des Employer Branding?

Die Bedeutung der Gesundheit wird zunehmen: Zum einen wird der Anteil älterer Mitarbeiter im Zuge der demografischen Entwicklung immer weiter wachsen, sodass es schon im Interesse der Unternehmen ist, auf die optimale Gesundheitsförderung und Ausgestaltung der Arbeitsplätze zu achten. So lässt sich die Leistungsfähigkeit und vor allem -bereitschaft auch im zunehmenden Alter gewährleisten. Zum anderen werden die Menschen immer gesundheitsbewusster, nicht zuletzt die junge Generation legt größten Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Unternehmen sind also gefordert, sich im Wettbewerb auch zum Thema Gesundheit zu positionieren, um als potenzieller Arbeitgeber attraktiv zu sein. Die mit einem umfassenden BGM zu generierenden Vorteile sind ohnehin so enorm, dass dies als Motivation zur Implementierung ausreichen sollte.

Was ist die Aufgabe einer nachhaltigen Markenführung und wie kann eine Strategie für ein nachhaltiges Marketing und ein Nachhaltigkeitsmarketing aussehen?

Das Thema Nachhaltigkeit wird für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens von elementarer Bedeutung sein, da sich auch das Werteverständnis der Kunden verändert. Eine authentische nachhaltige Markenführung wird demnach zum neuen Premium-Attribut, das im Wettbewerb den entscheidenden Vorteil ausmachen kann – und das nicht nur in ökologischer Hinsicht, die einen immer größeren Stellenwert einnehmen wird. Entwickelt ein Unternehmen von der Spitze bis zum Mitarbeiter tragfähige Konzepte um in einer globalisierten und digitalisierten Welt bestehen zu können, transparente Prozesse und moderne Arbeitsmodelle, die sich den verändernden Gegebenheiten anpassen können, so wird die Marke immer wertvoller. Hier ist nicht zu unterschätzen, wie effektiv sich Kundenerfahrungen im Internet verbreiten: Werden Nachhaltigkeitsthemen als notwendiges Übel betrachtet und nur alibimäßig betrieben, wird die Community dies ebenso abstrafen wie kriminelle Machenschaften.

Dieser Paradigmenwechsel erfordert ein drastisches Umdenken, was jungen und ohnehin technologie-affinen Unternehmen deutlich leichter fallen dürfte, als in einem in festen Strukturen gefangenen Konzern eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Auch hier ist Pioniergeist gefragt um sinnvolle Zielsetzungen zu formulieren, diese mit den geeigneten Maßnahmen zu unterlegen und den Fortschritt transparent zu kommunizieren. Ein solches Nachhaltigkeitsmarketing bewirkt nämlich nicht nur, dass die Kunden besser zu den Produkten und Dienstleistungen informiert werden, was nicht zuletzt auch die Preispolitik unterstützt, sondern vor allem eine Stärkung der Vertrauensbasis: Je transparenter vermittelt wird, wie nachhaltig die Erzeugnisse wirklich sind, desto vertrauenswürdiger ist das Unternehmen – der sich global ausbreitenden Abgas-Skandal darf als absolutes Negativbeispiel betrachtet werden.

Welche Kompetenzen und Skills sollten ein Chief Sustainability Officer und ein Nachhaltigkeitsmanager besitzen?

Ein Nachhaltigkeitsmanager muss Überzeugungstäter sein: Er hat verinnerlicht, dass die Fixierung auf die bisherigen wirtschaftliche Kennzahlen nicht mehr ausreicht um ein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen – von der Imagefrage ganz abgesehen. Dazu muss er unternehmerisch denken können, denn er hat profilierte Gestaltungsangebote, Innovationen und neue Organisationsformen zu entwickeln und dabei einen ganzheitlichen Ansatz umzusetzen. Entsprechend stark muss sein Standing in der Unternehmensführung sein, denn es kann durchaus die grundsätzliche Revision von Geschäftsmodellen auf dem Programm stehen. Das bedeutet auch, dass er sämtliche Eigenschaften und Kompetenzen guter Kommunikatoren und Führungskräfte mitbringen muss um nicht nur das Top-Management, sondern vor allem die Mitarbeiter zu motivieren. Er braucht also nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch die sogenannten Soft Skills sowie ein profundes Verständnis für unternehmerisches Handeln. Um dieses optimal einzusetzen, muss sich ein Nachhaltigkeitsmanager von der Führungsspitze bis zu in jede Organisationseinheit vernetzen und aktiv werden, was ohne Unterstützung des Führungsebene nicht funktioniert. Erst wenn er seine Arbeit in den Kernprozess integrieren kann, profitiert das Unternehmen in puncto Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig muss er Visionär bleiben, strategisch weiter denken und so die Interessen des Unternehmens, aber auch der Gesellschaft langfristig sichern.

Frau Prof. Dr. Ternès, vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Ausführungen zum Thema Management 4.0.

Das Interview mit Prof. Dr. Anabel Ternès führte Marco Englert.

 

Über die Autoren

Prof. Dr. Anabel Ternès ist Unternehmerin, Social Entrepreneur, Autorin und Keynote Speaker. Sie leitet das Institut für Nachhaltiges Management (IISM) und hält eine Professur für Kommunikationsmanagement und E-Business. Ihre Schwerpunktthemen sind Digitalisierung, Nachhaltiges Management und Strategisches Marketing. Sie leitet die gemeinnützige Organisation Get Your Wings und ist Botschafterin für Same Sky. Als Geschäftsführerin eines Company Builders unterstützt sie Start-ups mit nachhaltigen Geschäftsmodellen. Anabel Ternès ist in verschiedenen Gremien, Expertengruppen und Think Tanks vertreten, die sich mit ihren Schwerpunktthemen beschäftigen.

Marco Englert (MBA) ist Manager, Berater und Coach. Er steht für ein Excellence-Mindset, das Menschlichkeit, Balance, Innovation und Nachhaltigkeit fördert. Dabei sieht er die Menschen mit ihren Potenzialen und die damit verbundenen Aspekte als die zentralen Treiber für nachhaltig profitables Wachstum. Im Rahmen von strategischen Managementansätzen beschäftigt er sich mit neuen Methoden zur nachhaltigen Steuerung der zunehmenden Dynaxität und der digitalen Transformation. Er verfügt über exzellentes Research- und Consulting-Know-how, insbesondere in den Bereichen Unternehmensführung, Personalmanagement sowie Wissens-, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*