Zur Ruhe kommen: Wie Sie Ihren Alltag entschleunigen

Ruhe im Alltag? Wenn der Bus morgens 20 Minuten zu spät kommt, kann keine Rede von Ruhe sein und für viele von uns ist der Tag schon gelaufen, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Der wichtige Termin ist geplatzt, alle weiteren verschieben sich, der Rest muss nun in noch kürzerer Zeit erledigt werden. Unsere Tage sind voll mit To-do-Listen, von morgens bis abends ausgefüllt mit Dingen, die getan werden müssen. Wer ständig so lebt, fühlt sich gestresst und erschöpft. Keine Zeit für Ruhe. Wo bleibt das Ich? “Damit es nicht auf der Strecke bleibt, muss jeder für sich persönlich die Reißleine ziehen”, sagt Christel Hoyer, Diplom-Psychologin bei der AOK.

Zur Ruhe kommen: Wie Sie Ihren Alltag entschleunigen
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Alle reden von Ruhe, Entschleunigen, Achtsamkeit, Wellness für Körper und Seele. Die Kunst besteht aber darin, sich das nicht immer nur vorzunehmen, sondern es auch wirklich zu tun. “Es ist schwierig. Aber das Gute dabei ist: Um der Seele täglich einen Kurzurlaub zu verschaffen, braucht man weder viel Zeit noch großartige Erlebnisse”, so Hoyer. Körper und Seele sind eigentlich ganz bescheiden: Schon kleine Pausen oder kurze Aktivitäten machen uns ausgeglichener und zufriedener.

Finden Sie Ihren eigenen Weg zu mehr Ruhe

Es gibt viele Tipps und Anleitungen, wie man sich diesen täglichen Seelenurlaub buchen kann. Wichtig ist es, den persönlich richtigen Weg zu mehr Ruhe einzuschlagen, sonst ändert sich nichts. Um herauszufinden, wo Sie stehen und was Sie für Ihr Wohlbefinden und mehr Ruhe brauchen, können Ihnen folgende Schritte helfen:

– Finden Sie heraus, wie Sie sich im Alltag fühlen: Hetze ich mich selbst oder hetzen mich andere? Habe ich jeden Abend das Gefühl, wieder mein Programm nicht geschafft zu haben? Hatte ich heute Zeit für mich selbst oder habe ich nur Aufgaben abgearbeitet?
– Finden Sie heraus, ob Ihr Alltagsstress mit Ihren eigenen oder den Ansprüchen anderer an Sie zu tun hat: Nehme ich mir für den Tag zuviel vor? Sind meine Ansprüche zu hoch? Bin ich ständig telefonisch oder per Mail erreichbar – auch nach Dienstschluss?
– Finden Sie heraus, ob das Gefühl des Gehetztseins nur durch die Arbeit oder auch durchs Private entsteht: Habe ich zu viele Verpflichtungen? Mache ich viele Dinge nur, weil man sie von mir erwartet? Will ich perfekt als Mutter, Vater, Freundin sein?
– Finden Sie heraus, wovon Sie gerne mehr im Alltag hätten: Was macht mir Spaß? Sport und Bewegung, Freunde treffen, ein altes Hobby wieder aufnehmen?
– Finden Sie heraus, wobei Sie sich besonders gut entspannen können; ein Bad, Massagen, Düfte, Stille, Nichtstun, Muße, Gespräche?

Die meisten von uns wissen sehr gut, wer oder was hinter ihnen her ist. Wer dem nicht entgegensteuert, fühlt sich ausgeliefert. Beim Gegensteuern ist es wie beim Sport: Wer sich gleich für den ersten Tag den Halbmarathon vornimmt, gibt schnell enttäuscht wieder auf. “Deshalb ist es wichtig, nicht überall gleichzeitig anzufangen, sondern mit einem kleinen, ganz konkreten Schritt”, sagt Hoyer.

Streichen Sie unwichtige Dinge

Ein Beispiel: Sie streichen die unwichtigste Sache von Ihrer Aufgabenliste. Im Gegenzug gönnen Sie sich fünf Minuten Zeit für etwas, das Ihnen gut tut, was Ihnen persönlich wichtig ist oder/und Ihnen Spaß macht. So gewinnen Sie nicht nur Zeit für sich, sondern nehmen das ganz bewusst wahr. Hoyer: “Allein schon das Gefühl, sich in dieser Zeit um sich selbst zu kümmern, entspannt und macht ruhiger.”

Zeit für Ruhe und bewusste Achtsamkeit

Wenn Sie möchten, nutzen Sie die Zeit beispielsweise bewusst für eine Achtsamkeitsübung, um zur Ruhe zu kommen:

– Setzen Sie sich auf einen Stuhl und schließen Sie die Augen. Schießen Ihnen Gedanken durch den Kopf? Womöglich Aufgaben, die gleich zu erledigen sind? Beobachten Sie das, ohne es zu bewerten. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem: Atmen Sie einige Male ruhig und tief. Erspüren Sie Ihren Körper dabei von Kopf bis Fuß.

“Einfach!”, denkt man. Aber für die meisten ist es viel schwerer als erwartet. Die Gedanken schwirren – oft auch dahin, was als nächstes getan werden muss. “Achtsamkeitsübungen bringen uns ins Hier und Jetzt. Deshalb sind sie sehr nützlich, wenn es darum geht, im Alltag Ruhe zu finden”, betont Psychologin Hoyer.
Dinge bewusst oder auch einmal bewusst langsam zu tun, hilft überhaupt dabei, den Alltag ruhiger anzugehen und ihn zu entschleunigen. Probieren Sie aus, was Ihnen hilft, zur Ruhe zu kommen:

– Wenn ich esse, dann esse ich: Lassen Sie die Zeitung liegen, schalten Sie den Fernseher ab.
– Gewesen ist gewesen: Wälzen Sie Dinge nicht mehr, die vorbei sind. Sie können sie sowieso nicht mehr ändern.
– Die Zukunft ist erst morgen: Versuchen Sie, nicht immer an das zu denken, was sein sollte oder könnte. Viele Gedanken werden unnötig, wenn man sich nur mit dem beschäftigt, was gerade ist.
– Einfach mal langsamer sein: Gehen Sie statt zu fahren, gehen Sie langsamer als üblich, essen Sie langsamer als üblich.
– Nichts tun: Lesen Sie nicht, surfen Sie nicht im Internet. Machen Sie sich eine Tasse Tee, setzen Sie sich ans Fenster und schauen Sie in den Himmel. “Das Nichtstun ist die schwerste Aufgabe überhaupt auf dem Weg zum entschleunigten Ich”, weiß die AOK-Expertin.

(AOK)

HCC Redaktion

... schreibt über alle möglichen Themen rund um Mitarbeitergesundheit und Personal. Wichtige Schwerpunkte liegen auf der Arbeitsplatzgestaltung, Psyche, Ernährung, Bewegung und weiteren Einflussfaktoren nachhaltiger Gesundheitsprävention. Neben Fachartikeln und Tipps & Tricks-Beiträgen werden Interviews mit einschlägigen Persönlichkeiten zu BGM, BGF und mehr veröffentlicht.

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