„Deutscher Unternehmenspreis Gesundheit“ – Elf Unternehmen von Europäischer Kommission und dem BKK Bundesverband für herausragendes Betriebliches Gesundheitsmanagement ausgezeichnet

Bereits zum sechsten Mal wird heute der „Deutsche Unternehmenspreis Gesundheit“ in Berlin verliehen. Im Rahmen der BKK Tagung „Wettbewerbsvorteil Gesundheit“ werden elf Unternehmen und Behörden für ihr vorbildliches Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ausgezeichnet.

Quelle: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es werden Preisträger aus verschiedenen Branchen (Industrie; Handel/Verkehr/Transport; öffentlicher Dienst; sonstige Dienstleistungen; Gesundheits- u. Sozialwesen) gekürt, sowie Sonderpreise an Arbeitgeber verliehen, die vorbildliche Lösungen zu Aufgabenstellungen wie die Förderung der psychischen Gesundheit, Fit in die Zukunft, familienorientierte Personalpolitik und betriebliches Eingliederungsmanagement unterstützen.

„Während eine wachsende Zahl von Unternehmen aller Branchen und Größen in das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) einsteigen, setzen die auf diesem Feld schon erfahrenen Arbeitgeber die Instrumente mittlerweile zur Lösung konkreter betrieblicher Aufgaben ein. Das zeigt ein Blick auf die Konzepte der diesjährigen Preisträger“, so Heinz Kaltenbach, Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes.

Verliehen werden die Urkunden von Herrn Kaltenbach, Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes, und Herrn Gänsler, Vorstand der Schwenninger Krankenkasse, an folgende elf Preisträger:

·         BMW Group – Kategorie “Industrie”

·         Deutsche Bahn AG – Kategorie “Handel/Transport/Verkehr”

·         Umweltbundesamt in Dessau – Kategorie “Öffentlicher Dienst”

·         Stadtwerke München GmbH – Kategorie “Sonstige Dienstleistungen”

·         St. Gereon Seniorendienste – Kategorie “Gesundheits- und Sozialwesen”

·         AWO Therapiezentrum und Museum Schloss Cronheim – Kategorie “Kleine und Mittlere Unternehmen”

·         Salzgitter AG – Sonderpreis “Psychische Gesundheit”

·         BASF SE – Sonderpreis “Betriebliches Eingliederungsmanagement”

·         Agentur für Arbeit Schwerin – Sonderpreis “Familienorientiertes Unternehmen”

·         Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover – Sonderpreis “Fit in die Zukunft”

·         ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH – Sonderpreis der Jury

Der seit 2007 im Rahmen der europäischen Kampagne Move Europe ausgelobte Preis und die breite Streuung der Preisträger soll nicht zuletzt den BGM noch skeptisch gegenüberstehenden Betrieben vor Augen führen, dass Gesundheitsmanagement einerseits in allen Branchen und Betriebstypen erfolgreich eingesetzt werden kann – und dass das BGM Lösungen für konkrete betriebliche Herausforderungen bereit hält.

Erfreulich war aus Sicht der vom BKK Bundesverband berufenen Jury nicht nur die Tatsache, dass Umfang und Qualität der von den Teilnehmern präsentierten und gelebten BGM-Konzepte nochmals verbessert wurden, sondern auch, dass sich über die Hälfte der Teilnehmer erstmals um den „Deutschen Unternehmenspreis Gesundheit“ bewarb.

„Offenbar setzt sich bei den Arbeitgebern mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass die vielfältigen Konsequenzen des demografischen Wandels nur über gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen und Prozesse konstruktiv bewältigt werden können. Die Beispiele guter Praxis der in diesem Jahr ausgezeichneten Unternehmen belegen, dass es sich dabei längst um mehr als einen theoretischen Ansatz handelt“, erläutert Heinz Kaltenbach.

„Deutscher Unternehmenspreis Gesundheit“ – Preisträgerporträts:

Kategorie „Industrie“: BMW Group

Der Automobilhersteller mit seinen rund 100.000 Mitarbeitern ist seit Jahren im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) aktiv und wurde 2010 mit dem Sonderpreis “Fit in die Zukunft” ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurde von der Jury in diesem Jahr, dass alle Aktivitäten auf dem in 12 Handlungsfeldern untergliederten „Konzept zum integrierten Gesundheitsmanagement“ basieren, BMW über “Gesundheitsbotschafter” verfügt, die innerhalb der Produktionsstätten auf Gesundheitsthemen und -maßnahmen aufmerksam machen und die Mitarbeiter über das Programm „Move up“ buchstäblich in Bewegung bringt.

Kategorie „Handel/Transport/Verkehr“: Deutsche Bahn AG

Die DB mit ihren 300.000 Mitarbeitern weltweit, davon zwei Drittel in Deutschland, gehört zu der noch überschaubaren Zahl von Unternehmen, die Mitarbeiterzufriedenheit als Ziel ins Leitbild aufgenommen haben. Vor diesem Hintergrund ist BGM in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Unternehmens- und Personalstrategie der Bahn geworden. Das schlägt sich nieder in einem BGF-spezifischen Wissensmanagement (der Konzern hat z.B. ein eigenes Handbuch “Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung“ entwickelt, sammelt alle Best-Practice-Beispiele auf Konzernebene und fördert deren breitere Umsetzung) wie in handlungsbezogenen Maßnahmen, zu denen Bonusprogramme für die Mitarbeiter, Burnout-Prävention bei Führungskräften und ein Praxisleitfaden für Führungskräfte mit Gesundheitsangeboten (inklusive Ansprechpartner) für sich selbst und zur Kommunikation an ihre Mitarbeiter gehören.

Kategorie „Öffentlicher Dienst“: Umweltbundesamt in Dessau

Die Bundesoberbehörde mit ihren rund 1.500 Mitarbeitern gehört seit 1996 in Sachen BGM zu den Vorreitern im öffentlichen Dienst. Beeindruckt war die BKK-Jury vor allem von der „unternehmenspolitisch hervorragend verankerten BGM-Strategie 2015“, die eng mit der Personalentwicklung vernetzt ist. Das BGM des Umweltbundesamtes überzeugt unter anderem durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention, durch ein BGM-Team mit eigenem Budget, eine Vielzahl von umfassenden Unterstützungsmöglichkeiten für die Beschäftigten und insbesondere durch ein kennzahlengestütztes Zielsystem, das nicht zuletzt eine verlässliche Evaluation der Aktivitäten erlaubt.

Kategorie „Sonstige Dienstleistungen“: Stadtwerke München GmbH

Die Stadtwerke München haben BGM schon 1999 auf die Agenda genommen und mittlerweile fest in ihr Qualitätsmanagementsystem integriert. Herausgehoben wurde von der Jury, dass die Umsetzung von BGM durch jährlich stattfindende Audits seitens des TÜV überprüft wird. Eine weitere Besonderheit sind die im letzten Jahr durchgeführten Führungskräfteinterviews. Dabei wurden Themen angesprochen, an denen gesundheitliche Auswirkungen von Führungsverhalten erkennbar sind: z. B. die gesundheitsförderliche Qualität des Arbeitsumfelds, die Rolle der einzelnen Führungskräfte im Gesundheitsmanagement, das eigene Gesundheitsverhalten oder der Beitrag von Führungskräften bei Verhaltensänderungen der Mitarbeiter. In einer Veranstaltungsreihe für die Managementebenen mit dem Titel „Führen, Verantwortung, Gesundheit” werden konkrete Themen aufgegriffen, wobei ein Schwerpunkt auf Ursachen und Folgen psychischer Belastungen liegt: So ging es 2010 um Burnout und Depression, 2012 um Achtsamkeit und Resilienz.

Kategorie „Gesundheits- und Sozialwesen“: St. Gereon Seniorendienste

Die St. Gereon Seniorendienste zeigen exemplarisch, wie auch unter den schwierigen Bedingungen des Gesundheits- und Sozialwesens innerhalb weniger Jahre ein buchstäblich preiswürdiges BGM aufgebaut werden kann. Nachdem im Jahr 2010 erstmals verbindliche Gesundheitsleitlinien erarbeitet wurden, folgte 2011 das Konzept “Wertschätzendes Gesundheitsmanagement”, das in diesem Jahr durch Integration in das Qualitätsmanagement zum festen Bestandteil der Führungskultur gemacht wurde. Die Mitarbeiter können ihre Arbeit innerhalb bestimmter Verantwortungsbereiche selbst organisieren, sind per Stellenbeschreibung zur Sorge “für die eigene Gesundheit und für die Gesundheiterhaltung der Kollegen“ aufgefordert und können durch konsequente Gesundheitsförderung bis zu drei zusätzliche Urlaubstage „erarbeiten“.

Kategorie „Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU)“: AWO Therapiezentrum und Museum Schloss Cronheim

Als kleines, auch im Gesundheitswesen aktives Unternehmen mit 65 Mitarbeitern ist der AWO-Betrieb in Cronheim gleich in doppelter Hinsicht Vorbild: für KMU und im Bereich „Gesundheitsversorgung/Pflege“ arbeitende Betriebe. Das BGM ist fest in der Unternehmenspolitik verankert und mit internen Routineprozessen verknüpft. Die Mitarbeiterzufriedenheit wird den Leitungskräften als Ziel in den Stellenbeschreibungen vorgegeben, die Mitarbeiter selbst können sich im BGM-Steuerkreis engagieren und werden durch Konsequenz bei außerbetrieblicher Gesundheitsförderung mit Sonderurlaub belohnt. Das Unternehmen ergänzt seine eigenen Ressourcen durch Kooperationen mit einer Krankenkasse, der Berufsgenossenschaft und einem Krankenhaus.

Sonderpreis „Psychische Gesundheit“: Salzgitter AG

Am Beispiel der Salzgitter AG ist zu erkennen, dass die Förderung der psychischen Gesundheit auch in Betrieben mit überwiegend gewerblich beschäftigen Mitarbeitern funktioniert. Das 24.000 Mitarbeiter zählende Unternehmen verfügt z. B. über ein betriebliches Reha-Konzept zum Thema „Psychische Erkrankungen“, das darauf zielt, gefährdeten oder betroffenen Versicherten frühzeitig Unterstützung anzubieten. Maßnahmen können auch kurzfristig und bedarfsgerecht, also dem Ausprägungsgrad der Beschwerde bzw. Erkrankung entsprechend, angeboten werden und stehen im direkten Arbeitsplatzbezug. Erreicht wird das unter anderem durch die Kombination von interner und externe Expertise: Bei Salzgitter wird das Wissen von arbeitsmedizinischem Dienst, innerbetrieblichen Gesundheitsmanagern, der BKK Salzgitter, der Deutschen Rentenversicherung, der Technischen Universität Braunschweig, Kliniken und Reha-Zentren zusammengeführt und umgesetzt.

Sonderpreis „Betriebliches Eingliederungsmanagement“: BASF SE

Der Chemiekonzern war dem Gesetzgeber beim Thema BGM schon immer mindestens einen Schritt voraus: Schon vor drei Jahrzehnten wurde dort mit dem Aufbau eines BGM begonnen, das längst zu fest in die Organisation integrierten Strukturen und zu konkreten Maßnahmen zu allen gesundheitsrelevanten Themen geführt hat. Nicht zuletzt deshalb wurde die BASF 2008 mit dem Unternehmenspreis in der Kategorie „Großunternehmen/Industrie“ ausgezeichnet und 2009 mit dem Sonderpreis „Fit in die Zukunft“. Auch das in diesem Jahr besonders herausgestellte BEM-Konzept wurde von BASF unter Federführung der Abteilung Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz umgesetzt, bevor es entsprechende gesetzliche Vorgaben gab. Dabei setzt der Konzern auf interdisziplinäre Zusammenarbeit mit medizinischen und nichtmedizinischen Institutionen wie Krankenkassen, dem medizinischen Dienst der Krankenkassen, den behandelnden Ärzten, dem Betriebsrat, der Schwerbehindertenvertretung oder der Berufsgenossenschaft. Das Ziel, dass die Wiedereingliederung den Zeitraum von sechs Monaten nicht überschreiten soll, wird in der Praxis mehr als erreicht: Die durchschnittliche Wiedereingliederungszeit liegt heute bei 30 Tagen. Über die Veröffentlichung der Wiedereingliederungsfälle in den abteilungseigenen Jahresberichten und vor allem durch die Veröffentlichung wissenschaftlicher Beiträge in Fachzeitschriften können andere Arbeitgeber von den BASF-Erfahrungen profitieren.

Sonderpreis „Familienorientiertes Unternehmen“: Agentur für Arbeit Schwerin

Was in den meisten Unternehmen bestenfalls in Ansätzen funktioniert, ist bei der Agentur für Arbeit in Schwerin ein durchdachtes Programm: Die Einführung von Maßnahmen und Strukturen, die es den rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ohne dabei ständig an ihre Belastungsgrenzen zu stoßen. Deshalb wurden z. B. die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten in dem Punkt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ intensiviert. Auch die Führungskräfte sind verpflichtet, zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern individuelle Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu finden. Es gibt nicht nur ein 3-Phasen-Wiedereinstiegsprogramm für die Rückkehr nach der Familienphase; besonders bemerkenswert ist auch das zunächst als Modellprojekt eingeführte „hauswirtschaftliche Dienstleistungsangebot“; außerdem wird neben der kurzzeitigen Kinder-Notfallbetreuung in der täglichen Arbeitszeit für die beschäftigten Eltern und Alleinerziehenden eine Kinderbetreuung bei Seminaren und Weiterbildungen bereitgestellt. In der gemeinsam mit Eltern und Kindern erstellten “Bärenstarken Fibel für Eltern und Kinder” finden die Beschäftigten der Arbeitsagentur viele Informationen zur Balance zwischen Familie und Beruf.

Sonderpreis „Fit in die Zukunft“: Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover

Schon seit 15 Jahren steht BGM in dieser Organisation mit ihren 2.300 Mitarbeitern auf der Agenda, und die Auszeichnungen mit dem Unternehmenspreis Gesundheit im Jahr 2009 und 2010 sowie dem Sonderpreis als “Familienorientiertes Unternehmen“ im Jahr 2011 dokumentieren, dass die Niedersachsen beim Thema Gesundheitsförderung genau so konsequent wie kreativ vorgehen. Mit ausschlaggebend für die Verleihung des diesjährigen Sonderpreises „Fit in die Zukunft“ waren unter anderem die Integration demografischer Aspekte in die Unternehmensstrategie, das 2011 verabschiedete Konzept „Lebensphasenorientierte Personalentwicklung”, die Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten beim Neubau des Verwaltungsgebäudes und die altersgemischte Teambesetzung. Ein vielfältiges Angebot zur Verhaltens- wie zur Verhältnisprävention ist für die Rentenversicherer selbstverständlich und erreicht mit seinen Maßnahmen mehr als jeden dritten Beschäftigten.

Sonderpreis der Jury: ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH

Ein von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zertifiziertes Betriebsrestaurant, eine in den Betriebsärztlichen Dienst integrierte und vom Bund Deutscher Ernährungsmediziner zertifizierte “Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin”, ein Bonusvertrag zum BGM mit der Krankenkasse und ein krankenkassenübergreifender Gesundheitsbericht – das sind nur einige der Besonderheiten des BGM-Konzepts der ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH. Die 1.350 Mitarbeiter zählende Tochtergesellschaft des ThyssenKrupp Konzerns hat außerdem in ihrem Leitbild festgeschrieben, dass wirtschaftliche Belange keinen Vorrang gegenüber der Sicherheit und der Gesundheit der Mitarbeiter haben. Da das Unternehmen zudem über Betriebsvereinbarungen, einen BGM Steuerkreis und kennzahlenbasierte Zielvorgaben hervorragende Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung des BGM geschaffen hat, wurde die ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH in diesem Jahr mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet.

Quelle: BKK

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HCC Redaktion

... schreibt über alle möglichen Themen rund um Mitarbeitergesundheit und Personal. Wichtige Schwerpunkte liegen auf der Arbeitsplatzgestaltung, Psyche, Ernährung, Bewegung und weiteren Einflussfaktoren nachhaltiger Gesundheitsprävention. Neben Fachartikeln und Tipps & Tricks-Beiträgen werden Interviews mit einschlägigen Persönlichkeiten zu BGM, BGF und mehr veröffentlicht.

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