Immer erreichbar? Neue Medien als Herausforderung in der Arbeitswelt

„Muss nur noch kurz die Welt retten …. Noch 148 Mails checken…“ Dieser Songtext von Tim Bentzko ist für viele Arbeitnehmer bitterer Ernst. Der Segen der neuen Medien, die ständige Erreichbarkeit, droht zum Fluch zu werden. Immer häufiger wird die Zunahme der psychischen Erkrankungen mit einer Dauerbelastung durch Handy, E-Mail und Co. in Verbindung gebracht. Mit welchen Spielregeln die negativen Auswirkungen der neuen Medien vermieden werden können, untersucht Professor Markus-Oliver Schwaab in einem neuen Forschungsprojekt an der Hochschule Pforzheim.

Burnout und Stress-Symptome nehmen deutlich zu. Das allgegenwärtige Handy hat die Hemmschwelle gesenkt, auch nach Dienstschluss schnell noch Geschäftliches zu besprechen. E-Mails im Urlaub lesen oder schnell auf Kurzmeldungen zu antworten, gilt bei vielen als selbstverständlich. „Die Folgen dieser neuen Kultur der Dauerreichbarkeit sind aber nicht abzusehen“, so Schwaab.

„Die ersten Arbeitgeber haben Konsequenzen gezogen“, stellte der Professor für Personalmanagement in einer Voruntersuchung fest. Inzwischen gelte es als gesichert, dass durch den ständigen Zugriff auf Informationen die Grenzen zwischen privat und geschäftlich verschwinden. Der Arbeitnehmer kann nicht mehr abschalten, die Erholungsphasen fallen zu gering aus und die Leistungsfähigkeit sinkt. Einige Unternehmer versuchen, diesen Auswirkungen jetzt entgegen zu wirken.

„Doch das Eindämmen der Informationsflut ist schwierig“, stellte Markus-Oliver Schwaab fest. „Sie können das Netz nicht einfach ausknipsen!“ Die Omnipräsenz der neuen Medien erschwert das persönliche Abschalten und senkt die Effektivität am Arbeitsplatz. Die ständige Ablenkung durch E-Mails oder andere Meldungen verhindert ein konzentriertes Arbeiten, dabei sind die so mitgeteilten Inhalte oft nicht relevant für die Empfänger. Und oft sind E-Mails sogar der falsche Kommunikationskanal. „Mit einem Telefongespräch oder einem kurzen Meeting würden viele mehr erreichen“, so Markus-Oliver Schwaab nach seinen ersten Recherchen. Doch nur in wenigen Unternehmen gibt es bislang eine klare Regelung über den Umgang mit den elektronischen Kommunikationsmitteln.

„Uns fehlen Daten, um griffige Konzepte für die betriebliche Praxis zu erstellen“, so der Hochschulprofessor. „Nicht jeder Arbeitnehmer ist bereit, auf das allgegenwärtige Netz zu verzichten. In wie weit kann der Arbeitgeber hier Einfluss nehmen? Mit welchen Spielregeln?“ Gesundheitsvorsorge, Erhalt der Arbeitskraft, Selbstbestimmung und viele weitere Faktoren müssen zwischen den Partnern austariert werden. „Das kann nur funktionieren, wenn mehr Informationen vorliegen“, folgert der Professor aus dem Studiengang Personalmanagement.

Im kommenden Semester startet Schwaab am Human Resources Competence Center der Hochschule Pforzheim ein neues Forschungsprojekt, in dem diese Fragen geklärt werden sollen.

(Hochschule Pforzheim)

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