Kaum medizinische Versorgung bei psychischen Problemen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden von Ärzten nicht richtig behandelt: Viele Menschen mit schweren psychischen Problemen erhalten nicht die medizinische Versorgung, die sie eigentlich bekommen sollten. Wissenschaftler der University of Leicester haben herausgefunden, dass die Betroffenen weniger wahrscheinlich als andere Menschen Medikamente gegen zum Beispiel hohen Blutdruck erhalten.

Zehn Prozent unterversorgt

Das Team um Alex Mitchell hat die Daten von 61 Studien analysiert. Details der wurden im British Journal of Psychiatry veröffentlicht. Organisationen wie Rethink Mental Illness gehen davon aus, dass die körperliche Gesundheit von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen häufig zu wenig beachtet wird.

Die Daten der analysierten Erhebungen stammen von fast zwei Mio. Menschen, die größtenteils in Amerika leben. Die Forscher untersuchten die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Arthritis, Osteoporose und HIV. Es zeigte sich, dass Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie weniger häufig als erwartet Rezepte für wichtige Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck inklusive ACE-Hemmer, Beta-Blocker oder Statine erhielten. Das Ausmaß der Unterversorgung dürfte bei zehn Prozent liegen.

Unsicherheit bei Verschreibung

Laut Mitchell scheinen Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen deutlich weniger Medikamente gegen Krankheiten zu erhalten. Das gelte vor allem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. “Ärzte dürften sich bei der Verschreibung von Medikamenten unsicher fühlen. Im Krankenhaus könnte es zur Besorgnis über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass körperliche Erkrankungen bei den Betroffenen nicht ausreichend behandelt werden”, so der Fachmann.

Laut Paul Jenkins, Leiter von Rethink Mental Illness, ist es ein Skandal, dass diese Gruppe von Menschen im Schnitt 20 Jahre früher stirbt als die restliche Bevölkerung. Verantwortlich dafür seien vielfach behandelbare Erkrankungen. Die zuständigen Ärzte würden die körperlichen Erkrankungen ihrer Patienten zu oft nicht ausreichend wahrnehmen. Gleichzeitig kümmerten sich gestresste Mediziner oft nicht ausreichend um die Nebenwirkungen von antipsychotischen Präparaten.

(Michaela Monschein | pressetext.redaktion)

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