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2012: Mehr Fehltage – psychische Leiden mit hoher Dynamik

Von Januar bis Oktober 2012 lagen die monatsdurchschnittlichen Krankenstandwerte bei 4,2 Prozent. Fehltage wegen psychischer Leiden sind in den ersten 3 Quartalen 2012 um 10 Prozent gestiegen. Keine andere Krankheitsart weist solche dynamischen Steigerungsraten auf. Atemwegserkrankungen sanken dagegen im ersten Quartal 2012 um 9 Prozent; eine „Grippewelle“ wie im Vorjahr blieb also bislang aus.

2012: Mehr Krankentage - psychische Leiden mit hoher Dynamik

Krankheitstage durch das Burn-out-Syndrom 2004 bis 2011. Quelle: BKK

Im gesamten Jahr 2011 fehlten die pflichtversicherten Arbeitnehmer krankheitsbedingt an 16,0 Tagen, zuletzt lagen die Fehltage im Jahr 1999 auf diesem Wert, während 2006 mit 12,4 Tagen die wenigsten Krankentage seit 30 Jahren gemeldet wurden.

Der BKK Bundesverband erfasst und analysiert die gesundheitlichen Befunde von 4,8 Millionen beschäftigten Pflichtmitgliedern. Die BKK Analysen stellen damit ein gutes Abbild des Krankheitsgeschehens in der Arbeitswelt dar.

Krankheitsarten mit den meisten Fehltagen

Muskel- und Skeletterkrankungen (vor allem Rückenleiden) verursachen bei den beschäftigten Pflichtmitgliedern mit 26 Prozent die meisten Krankentage,  gefolgt von Atemwegserkrankungen (14 Prozent). Zum ersten Mal stehen die psychischen Erkrankungen mit 13 Prozent aller Krankentage bereits an dritter Stelle; vor rund 30 Jahren tauchten sie in den  Gesundheitsstatistiken kaum auf (1976: 2 Prozent).

Langzeiterkrankungen dominieren das Krankheitsgeschehen

Ausschlaggebend für die Ermittlung der Krankenstände sind weniger die Fallzahlen, also die Häufigkeit von (Kurzzeit-)Krankmeldungen, als die Ausfalltage insgesamt. So machen kürzere Krankschreibungen bis zu einer Woche zwar zwei Drittel der Fälle aus, verursachen aber noch nicht einmal ein Fünftel (17 Prozent) der krankheitsbedingten Fehltage. Langzeitfälle, also Krankmeldungen über sechs Wochen, verursachen hingegen fast die Hälfte (47 Prozent) der Krankheitstage insgesamt, obwohl ihr Anteil an den  Arbeitsunfähigkeitsfällen nur etwa 4 Prozent beträgt.

Im Durchschnitt dauerte ein Arbeitsunfähigkeitsfall bei den Beschäftigten Pflichtmitgliedern 13,1 Tage. Die mit Abstand kürzesten Erkrankungsdauern verursachten naturgemäß die Infektionskrankheiten (rund 6 Tage je Fall).

Deutlich längere Fehlzeiten verursachten dagegen psychische Erkrankungen mit rund 37 Tagen je Fall und Neubildungen (Tumorerkrankungen) mit 36  Tagen je Fall. Zum Vergleich: Herz- und Kreislauferkrankungen (21 Tage), Verletzungen und Vergiftungen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen (jeweils rund 20 Tage) führen zu Ausfällen von etwa drei Wochen je  Krankschreibung.

Fehltage wegen Burn-out stiegen in sieben Jahren nahezu um das Zwanzigfache

Häufigste psychische Erkrankungen sind Angststörungen und Depressionen. Bei rund 12 Prozent aller weiblichen und 6 Prozent der männlichen Versicherten wurden bei seelischen Leiden am häufigsten Depressionen diagnostiziert. Die Zunahme dieser Erkrankungen liegt auch an verstärkter  Diagnostik und der entsprechenden Dokumentation durch die behandelnden ambulanten Ärzte.

Seit einigen Jahren rücken „neuere“ Krankheitsbilder wie das Burn-out-Syndrom verstärkt in den Fokus der Diskussionen zum  Erkrankungsgeschehen. In der  ICD-10 wird dieser Zustand lediglich als  Einflussfaktor erfasst, das Syndrom selbst aber nicht als eigenständige  Krankheit behandelt. Die Arbeitsunfähigkeitsdaten beziehen sich auf den IDCSchlüssel Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Hier stiegen in nur sieben Jahren krankheitsbedingt die Fehltage um nahezu das Zwanzigfache (exakt: Faktor 19).

Der BKK Gesundheitsreport 2012 „Gesundheit fördern – Krankheit versorgen – mit Krankheit leben“ liegt in gedruckter Form vor und kann als pdf-Datei unter www.bkk.de heruntergeladen werden. In den Autorenbeiträgen des aktuellen Reports werden die komplexen Beziehungen zwischen Arbeitswelt und Gesundheitsförderung, Versorgung und Selbsthilfe ebenso beleuchtet wie noch zu hebende Potenziale integrierter medizinischer Versorgung. Außerdem gibt es ausführliche Analysen zur Arbeitswelt, zu  verschiedenen Berufsgruppen und Branchen sowie Bundesländern und Regionen.

Betriebskrankenkassen unterstützen Unternehmen dabei, die psychische Gesundheit ihre Mitarbeiter zu stärken. Dazu gibt es zahlreiche Materialien,  so die Broschüre „Psychisch krank im Job“. Wissenswertes für  Führungskräfte und  Beschäftigte des Projektes „Kein Stress mit dem Stress“ können über www.psyGA-transfer.de heruntergeladen oder bestellt werden.

Krankenstand: Prozentualer Anteil der Krankgeschriebenen je Kalendertag, 16,0 Tage : 365 = 4,4 Prozent für 2011
Krankheitsfall/Falldauer: Länge der Krankschreibung wegen einer Krankheit: 2011 dauerte ein Krankheitsfall durchschnittlich 13,1 Tage.

Quelle: BKK

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