Psychische Gesundheit im Leistungssport: vorbeugen, erkennen, behandeln

Psychische Erkrankungen sind im Leistungssport genauso häufig wie in der Allgemeinbevölkerung. Doch für die Betroffenen ist manchmal die Hürde hoch, sich professionelle Hilfe zu holen. Denn Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen passen nicht in das Bild des souveränen und leistungsorientierten Athleten. Deshalb zeigt die DGPPN nun in einem umfangreichen Positionspapier Wege auf, wie durch gezielte Information, durch Forschung und durch spezialisierte Versorgung ein breites Verständnis in der Sportwelt erreicht wird.

Psychische Gesundheit im Leistungssport vorbeugen, erkennen, behandeln
Bild: Petra Bork / pixelio.de

Kreuzbandriss, Ermüdungsbruch oder Meniskusschaden: Das medizinische System ist auf körperliche Verletzungen und Krankheiten im Leistungssport bestens vorbereitet. Wie selbstverständlich werden die massiven Belastungen sportmedizinisch betreut – auch präventiv und vorbeugend. Anders die Situation im Bereich der psychischen Gesundheit: Die sportpsychologische Unterstützung zielt in erster Linie auf die Leistungsoptimierung ab. Doch für die Versorgung von psychischen Erkrankungen fehlt es an den notwendigen Angeboten. DGPPN-Vorstandsmitglied Prof. Frank Schneider erklärt: „Gerade bei Leistungssportlern ist die Diagnostik, Betreuung und Therapie von psychischen Erkrankungen dringend verbesserungsdürftig. Dafür gibt es evidenzbasierte Wege.“

Profisportler stehen oft unter enormen Leistungsdruck, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So ziehen sportliche Niederlagen oftmals existenzielle Ängste nach. Gleichzeitig beginnen Sportler immer früher mit dem intensiven und systematischen Training – in einem Alter, in dem sie besonders anfällig für psychische Störungen sind. Sie leben häufig in einem kompetitiven Umfeld, manchmal weit weg von zu Hause. Ihre gleichaltrigen Bezugspersonen erleben sie als Konkurrenten. Dies fördert das Gefühl von Isolation und Abhängigkeit, nicht nur im Fall eines Misserfolgs.

In diesem leistungsorientierten Umfeld sind psychische Erkrankungen nach wie vor mit einem erheblichen Stigma belegt. Leistungssportlern fällt es dadurch besonders schwer, psychiatrische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Notwendige und rechtzeitige Überweisungen an Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgen zu selten.

Das DGPPN-Referat „Sportpsychiatrie und -psychotherapie“ will deshalb mit den etablierten acht sportpsychiatrischen Ambulanzen an Universitätskliniken durch eine gezielte Information der Öffentlichkeit und mit spezialisierten Behandlungsangeboten zu einem breiteren Verständnis in der Sportwelt beitragen. Prof. Frank Schneider: „Die DGPPN strebt eine enge Vernetzung mit Sportmedizinern, Sportpsychologen, Vereinen und Verbänden an. Gleichzeitig gilt es, die Prävention und die individuelle therapeutische Versorgung von Leistungssportlern zu optimieren. Um die spezifischen Behandlungskonzepte zu erarbeiten, muss auch die wissenschaftliche Datenbasis verbessert werden. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft fördern wir mit speziellen Weiterbildungsformaten auch gezielt die sportpsychiatrische Expertise.“

(DGPPN)

HCC Redaktion

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