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Management

Work-Life-Balance als Gesundheitsfaktor: Wie sieht es in Deutschland aus?

Die Work-Life-Balance wirkt sich direkt auf die Gesundheit aus. Davon profitieren Arbeitgeber im hohen Maße. Eine Schlüsselrolle kommt der Arbeitszeit zu und gerade in diesem Bereich ist aktuell viel Bewegung.

Das Konzept der Arbeit im Wandel

Die Bedeutung der richtigen Körperhaltung am Arbeitsplatz ist inzwischen hinlänglich bekannt. Sie beeinflusst schließlich die Gesundheit und damit das Wohlbefinden, was sich wiederum direkt auf Leistungsvermögen und Produktivität auswirkt. Das Thema Gesundheit ist damit für Angestellte ebenso wichtig wie für das Unternehmen selbst.

Work-Life-Balance, Arbeit

Die Work-Life-Balance ist wichtig – sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber (Bild: © istock.com/zhz_akey)

Und dabei spielt auch die Arbeitszeit eine Rolle. Die Wochenarbeitsstunden sind einer der vielen Faktoren zur Berechnung der Work-Life-Balance, die in modernen Unternehmen längst in den Mittelpunkt gerückt ist. Schuld daran ist der Zeitgeist: Im Gegensatz zu früheren Generationen, insbesondere zur Nachkriegsgeneration, sind Job-Sicherheit und Einkommensoptimierung nicht mehr die oberste Prämisse. Ganz im Gegenteil, soll heute Arbeit Selbstverwirklichung bedeuten und falls das nicht erfüllt werden kann, dann soll sie zumindest unter sanften Bedingungen ein gutes Auskommen ermöglichen.

Die Bedingungen in Deutschland können sich im internationalen Vergleich sehen lassen: Nur 5 Prozent aller Angestellten haben „sehr lange“ Arbeitszeiten; der Durchschnitt in OECD-Ländern liegt bei 13 Prozent, also beinahe dreimal so viel.

Kürzere Arbeitszeiten künftig auch in Deutschland?

Als Folge dieser Entwicklung hat die Freizeitgestaltung im Lebensmodell an Bedeutung gewonnen, während die Arbeit an Stellenwert verloren hat. Und so hat sich auch der Fokus im Arbeitsvertrag verlagert: Ein hohes Einkommen alleine macht aus Mitarbeitersicht noch lange keinen guten Job aus. Flexible Arbeitszeitmodelle und faire Überstundenregelungen gelten in vielen Bereichen als Must-haves, die mit Geld nicht aufgewogen werden können. Weitere Punkte sind beispielsweise:

  • Erlaubt der Arbeitgeber Sabbaticals? Die (meistens unbezahlte) Auszeit feiert in Karriere-Jobs Hochkonjunktur, da sie der Freizeitgestaltung eine Dimension erlaubt, die nur mit Urlaubstagen nicht möglich wäre.
  • Wie ist die Einstellung des Unternehmens gegenüber dem Homeoffice, zumindest temporär? Dieser Aspekt wird immer wichtiger, denn ein guter Teil der Bevölkerung pendelt täglich zur Arbeit und erhöht damit die körperliche Belastung. Im selben Zug verringert die Fahrtzeit die Netto-Freizeit ganz wesentlich. Die damit verbundenen Steuervorteile werden zwar gerne abgeschöpft, gleichen den täglichen Zeitverlust aus Sicht vieler Pendler aber nicht aus. Auch in diesem Punkt wird die gesunkene Bedeutung des Geldes also deutlich – die Lebensqualität hat inzwischen oberste Priorität.
  • Wie sind die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung – und wie werden diese umgesetzt? Heutige Nachwuchs-Arbeitskräfte sehen sich nicht über Jahrzehnte am selben Arbeitsplatz, sondern möchten ihrer Karriere ständig neue Facetten schenken.

Positive für die Work-Life-Balance

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Die Work-Life-Balance muss passen, damit die Mitarbeiter ihre Leistung bringen können (Bild: © istock.com/imtmphoto)

Alle genannten Punkte wirken sich positiv auf die Work-Life-Balance aus, und das teilweise sogar ohne Beeinträchtigung der Arbeitsleistung. Denn inzwischen ist klar, dass die bloße Anzahl der Arbeitsstunden keinerlei Indikator für die Arbeitsqualität ist. Einige Unternehmen haben sich sogar getraut, einen Praxistest durchzuführen, etwa in Schweden, wo der 6-Stunden-Arbeitstag bereits getestet wurde.

Die Theorie dahinter ist, dass ohnehin nur die wenigsten Menschen acht Stunden lang produktiv sein können. Einfach ausgedrückt, wird dadurch viel Zeit am Arbeitsplatz gewissermaßen verschwendet, da weder die Angestellten noch der Arbeitgeber von der Anwesenheit profitieren.

Eine Verkürzung der Arbeitszeit soll dazu führen, dass die vorhandenen Kapazitäten effizienter genutzt werden – tatsächlich konnte das schwedische Unternehmen Filimundus nach der Umstellung keine gesunkene Produktivität feststellen. Im Gegenzug zeigten sich die Arbeitnehmer wesentlich motivierter, das Betriebsklima wurde besser und die Krankheitstage weniger. Letzteres kann auf zwei Weisen interpretiert werden:

  1. Weniger Arbeitsstunden bedeuten weniger Belastung und ein besseres Wohlbefinden, sodass Mitarbeiter seltener krank werden.
  2. Die Aussicht auf sechs Stunden Arbeit pro Tag ist so viel attraktiver als ein Acht-Stunden-Tag, dass weniger Mitarbeiter zu eigentlich unberechtigten Krankmeldungen greifen.

Modell flächendeckend testen

Unabhängig davon, wo nun die Wahrheit liegt, scheint eine Verkürzung der Arbeitszeit im Sinne der Gesundheit zu sein. Alleine das ist nach Meinung vieler Experten und Arbeitnehmer Grund genug, ein solches Modell flächendeckend in Deutschland zu testen. Auch wenn die ersten Versuche noch auf sich warten lassen, stehen die Vorzeichen nicht schlecht: Schließlich wurden auch andere Faktoren wie die Zufriedenheit am Arbeitsplatz noch vor 20 Jahren wesentlich niedriger gewichtet als heute. Der Wandel ist also bereits im Gange und darüber freut sich nicht zuletzt das Gesundheitssystem.

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