Digitale Medizin: Diagnostik per Telemedizin für den Patienten 2.0

Das Smartphone misst den Blutdruck, der Arzt erklärt die geplante Operation auf dem Tablet-Computer und täglich senden chronisch kranke Patienten ihre aktuellen Daten an telemedizinische Zentren – was vor 20 Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, hat längst Einzug in den medizinischen Alltag gehalten. Und mit der technischen Möglichkeit, sich auf kurzem Weg schnellen Rat von Experten oder Fachkollegen zu holen, haben sich medizinische Zweitmeinungsverfahren inzwischen im Gesundheitswesen etabliert.

Von dieser Entwicklung profitieren Ärzte und ihre Patienten gleichermaßen – durch eine bessere Diagnostik mit hochempfindlichen Geräten können Befunde heute umfassend bewertet und Therapie-Entscheidungen auf breiterer Grundlage getroffen werden. Eines kann die Technik aber nicht: den Arzt ersetzen.

Vom Piloten zum Projekt

Alltag 2012 bei der TK: Fachexperten aus dem Versorgungsbereich sitzen zusammen und diskutieren die Ergebnisse eines Pilotprojektes. Rund 90 Ärzte hatten sich bereit erklärt, ein neues Werkzeug für den Praxisalltag von morgen zu testen. Dabei stellen Allgemeinmediziner und Fachärzte ihre freien Termine ins Internet. Und TK-Versicherte können direkt darauf zugreifen und diese auch gleich buchen. Ein unerwünschter Eingriff in den Praxisalltag oder Kostenersparnis? Die Ergebnisse lassen aufatmen: Über 85 Prozent der Ärzte waren zufrieden und würden das Instrument weiterempfehlen. So wird aus dem Piloten ein größeres Projekt. Und später vielleicht einmal Alltag. Und in zehn Jahren wird man sich vielleicht fragen, wie man denn eigentlich an einen Arzttermin herankam, bevor es das Internet gab.

Telemedizin zahlt sich aus

So wie dem “Online-Terminservice” geht es vielen digitalen Neuerungen, die ihren Weg in den medizinischen Alltag suchen: Am Anfang stehen erst die Ideen und dann die Fragen nach den Partnern und der Realisierbarkeit. Und die der Kosten. Gerade sind die ersten Ergebnisse des Projektes “Telemedizin fürs Herz” auf dem Tisch. Eine erste Erkenntnis ist daraus: Wer über die Distanz gecoacht wird, muss seltener ins Krankenhaus. Ein Beleg mehr, dass es sich bezahlt macht, in geregelte telemedizinische Kommunikation mit den Patienten zu investieren.

Und das tut die TK: Antistress-Coach, Fitness-Coach, Burnout-Coach – das Angebot wächst und ebenso die Nachfrage. Denn Versicherte wollen gerne selbst bestimmen. Nicht nur, welches Programm sie für sich nutzen, sondern auch, wie und wann sie es nutzen. Der große Vorteil von allen Angeboten, die 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr verfügbar sind. Kein Wunder also, dass sich Telefon-Services wie das TK-Ärztezentrum oder das Zweitmeinungstelefon schnell etabliert haben und ebenso stark nachgefragt werden wie die Dienste im Internet – vom Ärzteführer bis zum Kliniklotsen der TK.

Digitaler Hausbesuch

Während die Coaching-Programme in der Prävention vor allem motivieren sollen, wird eCoaching für kranke Menschen zum täglichen Ritual: Patienten mit der Atemwegserkrankung COPD zum Beispiel profitieren im Projekt “A.T.e.m.” davon, dass ihr telemedizinischer Begleiter nicht nur Werte wie den Sauerstoffgehalt im Blut misst und via Telefonleitung an ein Zentrum zur Auswertung weitergibt. Das kleine Gerät stellt auch gezielte Fragen zu Krankheitssymptomen und zum Befinden und gibt Hinweise zum Umgang mit der Krankheit.

TK-Projekte:

Informationssystem für Glaukom-Patienten, Neugeborenen-Screening, Herzcheck im Sekundenbruchteil, Nachsorge für Cochlea-Implantate

  • In Mecklenburg-Vorpommern bestimmen Glaukom-Patienten Augeninnendruck und Blutdruck von zuhause aus und übertragen die Daten in eine elektronische Patientenakte der Uniklinik Greifswald. Gibt es auffällige Werte, warnt das System die Mediziner um Professor Dr. Frank Tost, die dann eingreifen können.
  • In Sachsen-Anhalt deckt ein elektronisches Informationssystem seltene Hormon- und Stoffwechselerkrankungen bei Neugeborenen auf, indem Endokrinologen aus zehn Städten dort Werte ihrer kleinen Patienten eingeben.
  • In Berlin und Nordrhein-Westfalen sorgen Herzchecks mittels Kardio-CT/-MRT im Sekundenbruchteil und ohne Skalpell für Klarheit, ob eine Operation erforderlich wird,
  • In Hannover funktioniert die Nachsorge für Cochlea-Implantate per Telemedizin.

>> Weitere Informationen sowie ein Video-Interview mit 3 Fragen an Klaus Rupp, TK-Experte, zu den Chancen der digitalisierten Medizin bei der TK

Im achtminütigen Interview erläutert Klaus Rupp, Leiter des TK-Versorgungsmanagements, Möglichkeiten, Vorteile und Hintergründe der digitalisierten Medizin und stellt Angebote der TK vor.

(TK)

HCC Redaktion

... schreibt über alle möglichen Themen rund um Mitarbeitergesundheit und Personal. Wichtige Schwerpunkte liegen auf der Arbeitsplatzgestaltung, Psyche, Ernährung, Bewegung und weiteren Einflussfaktoren nachhaltiger Gesundheitsprävention. Neben Fachartikeln und Tipps & Tricks-Beiträgen werden Interviews mit einschlägigen Persönlichkeiten zu BGM, BGF und mehr veröffentlicht.

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