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Markt / Statistiken

Psychotherapie: Großes Stadt-Land-Gefälle

Im Grunde genommen ist es ein Armutszeugnis, dass die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ausstellt: aufgrund historischer Fehlplanungen seitens des Bundes fehlen heutzutage zirka 4.000 Praxissitze, um den hierzulande herrschenden Bedarf an einer Psychotherapie zu decken. Vor allem der Ländliche Raum ist benachteiligt, aber auch in Großstädten ist die Situation nicht wirklich rosig.

Neun Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner

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In Großstädten wie Berlin stehen vergleichsweise viele Praxen für Psychotherapie den Einwohnern zur Verfügung. (Bild: Q.pictures / pixelio.de)

In Großstädten leidet, BPtK-Angaben zufolge, gut mehr als jeder dritte Einwohner (34 Prozent) im Verlauf seines Lebens an einer psychischen Krankheit (Burnout, Depression et cetera). Das sind deutlich weniger als auf dem Land (26 Prozent). Kein Wunder also, dass die Zahl der Praxen, wie zum Beispiel Psychotherapie Berlin, in erst genannten deutlich höher ist. Dort versorgen knapp 60 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: in ländlichen Kreisen mit geringer Dichte sind es neun je 100.00 Einwohner.

Historische Fehlplanung sorgt für skandalösen Zustand

Ein Zustand, den die Kammer als skandalös erachtet. Denn ihrer Expertise nach herrscht in ländlichen Regionen ein Bedarf an mindestens halb so vielen Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohnern wie in Großstädten. Mit anderen Worten, 30 je 100.000 Einwohner. Dieser Bedarf ist also noch nicht einmal zu einem Drittel gedeckt.

Als Ursache hierfür sehen die BPtK-Experten massiven Fehlplanungen seitens des gemeinsamen Bundesausschuss. Dieser ermittelte im Jahr 1999 die zulässige Anzahl niedergelassener Psychotherapeuten nicht auf Basis der Häufigkeit der psychischen Erkrankungen. Vielmehr zählte er die durchschnittliche Zahl der psychotherapeutischen Praxen in Kreisen und Städten und legte diese als Höchstgrenzen fest. Im Grunde genommen ist dies auch nicht verkehrt, aber dabei legte er nicht – wie bei den Ärzten – die Versorgung in Westdeutschland zugrunde, sondern bezog Ostdeutschland in seine Berechnungen mit ein.

In den neuen Bundesländern gab es jedoch aus historischen Gründen deutlich weniger niedergelassene Psychotherapeuten als in den alten. So versorgte nach Daten aus dem Jahr 2000 ein Psychotherapeut in einem ländlichen Kreis Ostdeutschlands rund 33.000 Einwohner, im Westen waren es dagegen nur zirka 11.000.

Flächendeckende Versorgung an Psychotherapie verbessern

Folgerichtig möchte die BPtK, dass künftig der Logik der Bedarfsplanung gefolgt und die Versorgungsdichte in Westdeutschland zum Ausgangspunkt der Planungsentscheidungen gemacht, um die flächendeckende Versorgung an Psychotherapie zu verbessern. Zudem dürfe unter dem Schlagwort „demografische Alterung“ der altersbedingter Behandlungsmehrbedarf  – anders als bei vielen körperlichen Erkrankungen – bei psychischen Erkrankungen keine Rolle spielen.

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