Warum es mehr – und bessere – Ergotherapeuten braucht

Die meisten verbinden mit dem Begriff Ergotherapeuten eine Berufsgruppe, die sich ausschließlich um Kinder oder Senioren kümmere, die unter motorischen Einschränkungen leiden. Dabei umfasst dieses Berufsfeld weitaus mehr. Nicht zuletzt deshalb fordert sein Interessensverband von Politik und Krankenkassen bessere Rahmenbedingungen für Ergotherapeuten zu schaffen.

Aus der heutigen Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken

Ergotherapeuten, Ergotherapie
Ergotherapeuten helfen Menschen jeden Alters und jeder Berufsgruppe dabei, möglichst schnell wieder selbstbestimmt leben zu können. (Bild: Angelina Litvin / unsplash.com)

Um zu verstehen, warum Ergotherapeuten für das heutige Gesundheitssystem so wichtig sind, muss man kurz auf die Entstehungsgeschichte des Berufsbildes sowie die damit verbundenen Ziele eingehen. Der Beruf entwickelte sich anfang des 20 Jahrhunderts, von den Vereinigten Staaten ausgehend und zunächst unabhängig voneinander, aus verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzten, Sozialarbeitern, Krankenschwestern, Künstlern, Handwerkslehrern und Architekten.

Der deutsche Psychiater Hermann Simon konzipierte eine arbeitstherapeutische Theorie zur Behandlung psychisch Kranker. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden an deutschen Soldaten und Zivilisten erstmals beschäftigungs- und arbeitstherapeutische Verfahren und Methoden angewendet. 1953 wurde die erste Lehreinrichtung für Beschäftigungstherapie in Hannover im Annastift gegründet.* 1999 wurden im Gesetz über den Beruf der Ergotherapeutin und des Ergotherapeuten (kurz: Ergotherapeutengesetz oder auch ErgThG) die bis dahin gesetzlich geschützten Berufsbezeichnungen Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut in die aktuell gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung, Ergotherapeut, geändert.

Mittlerweile kennzeichnet das Berufsbild des Ergotherapeuten, Menschen mit unterschiedlichen seelischen oder körperlichen Erkrankungen und Problematiken, dabei zu helfen, ihr tägliches Leben und ihren Beruf schnellstmöglich (wieder) selbstbestimmt auszuüben. In Zeiten, in denen psychische Leiden, wie zum Beispiel Burnout und Depressionen, auf der Liste der wichtigsten Diagnosen für Ausfalltage inzwischen auf Platz drei rangieren, sind Ergotherapeuten aus der heutigen Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken.

Rahmenbedingungen für Ergotherapeuten verbessern

Auch der Deutsche Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE) betont die Vielfältigkeit, die diesen Beruf auszeichnet: „[Die Ergotherapeuten] motivieren und befähigen [ihre Patienten], ihre Ressourcen voll auszuschöpfen, um selbstständig zu handeln und das tun zu können, was ihnen wichtig ist, so dass sie sich gebraucht und wertgeschätzt fühlen.“ Ideale Bedingungen für Berufsanfänger? Mitnichten!

Das wahre Sorgenkind“, so die Referentin des DVE für Aus- und Weiterbildung, Inga Junge, „ist der Mangel an Ausbildungseinrichtungen in öffentlicher Trägerschaft.“ Mit anderen Worten, die Ausbildung zum Ergotherapeuten finanzieren sich die Auszubildenden meist selbst. Die spätere Entlohnung macht die Refinanzierung schwierig.

Die steigenden Patientenzahlen stellen eine Beschäftigungsgarantie für Ergotherapeuten dar“, fügt Inga Junge hinzu. Doch wenn die Politik die Infrastruktur dem Bedarf nicht  anpasst und Ausbildungsplätze – vor allem an Hochschulen – beziehungsweise finanzielle Ausgleiche für angehenden Ergotherapueten schafft, wird dieser Bedarf niemals gedeckt werden können. Vorstellbar sind für den DVE Finanzierungsmodelle, ähnlich wie es sie auch in anderen Gesundheitsberufen gibt, zum Beispiel in der Gesundheits- und Krankenpflege.

*Vgl.: Marquardt, M.: Die Geschichte der Ergotherapie: 1954 bis 2004, 1 Aufl. 2004, © Schulz-Kirchner Verlag GmbH, Idstein 2004.

HCC Redaktion

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