European Month of the Brain: Psychische Erkrankungen besser erforschen

Kurz vor Abschluss des „European Month of the Brain“ der Europäischen Kommission wurden auf der Konferenz „Healthy brain: healthy Europe“ am Montag in Dublin nochmals aktuelle Schwerpunkte diskutiert: Erkrankungen des Gehirns gehören in Europa zu den häufigsten Krankheiten überhaupt – mit enormen Auswirkungen auf den persönlichen Lebensbereich der Betroffenen und auf das Gesundheitssystem. Diese Erkrankungen werden oft unzulänglich behandelt und führen zu meist lebenslangen Behinderungen. Die Schwierigkeiten in Diagnostik und Behandlung liegen dabei in der Komplexität des menschlichen Gehirns begründet. Daher muss die Grundlagenforschung intensiviert werden. Diese Forschungen müssen insbesondere Menschen mit psychischen Erkrankungen zugute kommen, die die größte Gruppe im Bereich der Erkrankungen des Gehirns darstellen. Die bisherige öffentliche Förderung reicht jedoch nicht aus, um den anstehenden Herausforderungen nachhaltig zu begegnen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) fordert daher die  EU sowie auch die Bundesregierung auf, stärker in die Erforschung psychischer Erkrankungen zu investieren.

Rund 260 Millionen Europäer sind im Verlauf ihres Lebens von einer mit dem Gehirn zusammenhängenden Erkrankung betroffen. Psychische Störungen kommen dabei besonders oft vor: Aktuelle Studien zeigen, dass etwa jeder dritte Erwachsene in seinem Leben die Kriterien einer psychischen Erkrankung erfüllt. Ein Drittel dieser Erkrankungen nimmt einen chronischen Verlauf und erzeugt für die Betroffenen viel Leid. Dazu kommen die enormen volkswirtschaftlichen Auswirkungen: 2012 verursachten Erkrankungen des Gehirns in Europa Kosten von rund 800 Milliarden Euro.

Medizinisches Wissen in Diagnostik und Therapie von Hirnerkrankungen muss nachhaltig verbessert werden

Mit dem „European Month of the Brain“ unterstreicht die Europäische Kommission die zentrale Bedeutung der Hirnforschung und der Gesundheitsversorgung für die europäische Bevölkerung und Volkswirtschaften. Angesichts der gesundheitsökonomischen und volkwirtschaftlichen Dimensionen gilt es, das medizinische Wissen in Diagnostik und Therapie von Hirnerkrankungen nachhaltig zu verbessern. Dies gilt insbesondere für den Bereich der psychischen Erkrankungen, wie DGPPN-Präsident Prof. Wolfgang Maier feststellt: „Die drängenden Fragen in der Forschung für Menschen mit psychischen Erkrankungen erfordern eine Infrastruktur, die umfassende Forschungsprojekte ermöglicht und kontinuierlich fördert. Auch wenn der Anteil öffentlicher Fördergelder für den Bereich Psychiatrie und Psychotherapie in den letzten Jahre gestiegen ist, reicht die bisherige Förderung bei weitem nicht aus, um die anstehenden Herausforderungen in der Versorgung psychischer Erkrankungen zu bewältigen.“

Europäische Kommission hat rund 150 Mio. Euro für Hirnforschungsprojekte zur Verfügung gestellt

Die DGPPN begrüßt, dass die Europäische Kommission zum Beginn des „European Month of the Brain“ rund 150 Mio. Euro für 20 neue internationale Hirnforschungsprojekte zur Verfügung gestellt hat. Doch gerade auf Bundesebene sollten Fördermaßnahmen die Erforschung psychischer Volkskrankheiten stärker aufgreifen und damit auf die aktuellen demographischen und gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren. Prof. Wolfgang Maier: „Unsere Bevölkerung altert – in den letzten Jahren ist die Zahl der Demenzerkrankungen um ein Vielfaches gestiegen. Immer mehr Menschen mit depressiven Erkrankungen suchen medizinische und therapeutische Hilfen. Der Bund muss die Einrichtung von krankheitsbezogenen Gesundheitsforschungszentren verstärkt vorantreiben, damit dauerhaft Forschungsmittel für spezifische Krankheitsgruppen wie die psychischen Erkrankungen zur Verfügung stehen.“

(DGPPN)

HCC Redaktion

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