Hohe Arbeitsbelastung erhöht Diabetes-Risiko

Diabetes, Ernährung, Stress, Arbeitsbelastung

Über den vermuteten Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und dem Risiko an Diabetes zu erkranken haben wir bereits vor kurzem berichtet. Nun hat das am Helmholtz Zentrum in München angesiedelte Deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung festgestellt, dass hohe Arbeitsbelastungen im Allgemeinen dem Diabetes ebenfalls Vorschub leistet.

Diabetes auf dem Vormarsch

Diabetes, Ernährung, Stress, Arbeitsbelastung
Nicht nur Fehlernährung, sondern auch hohe Arbeitsbelastung erhöht das Risiko an Diabetes zu erkranken. (Bild: Henrik Gerold Vogel / pixelio.de)

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der an Diabetes erkrankten in den nächsten zehn bis 20 Jahren deutlich ansteigen wird. Das hat zum einen mit der steigenden Lebenserwartung zu tun. Bereits jetzt beträgt die jährliche Neuerkrankungsrate unter der älteren Bevölkerung zirka 270.000. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle:

  • die drastische Zunahme von Übergewicht und Fettsucht
  • der vermehrte Konsum von „Junk Food“ bzw. Nahrungsmitteln mit geringem Nährwert
  • immer weniger körperliche Aktivität
  • Stress am Arbeitsplatz

Gerade zuletzt genannter Punkt kann vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Eine in der Folge entstehende systemische Entzündungsreaktion im Körper sowie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten bereits nachgewiesen werden. Ob und wie eine hohe Arbeitsbelastung die Entwicklung von Typ-2-Diabetes beeinflusst, wird bislang allerdings unterschiedlich beurteilt.

Arbeitsbelastung erhöht das Risiko für Diabetes um 45 Prozent

Wie das Wissenschaftlerteam um Dr. Cornelia Huth und Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig nun herausfand, haben Personen mit einer hohen Arbeitsbelastung und gleichzeitig niedriger Kontrolle über die verrichteten Tätigkeiten ein etwa 45 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes als Personen mit geringer Belastung am Arbeitsplatz.

Dazu werteten die Wissenschaftler vom Institut für Epidemiologie II (EPI II) am Helmholtz Zentrum München (HMGU) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Johannes Kruse vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg die Daten von über 5300 berufstätigen Teilnehmern zwischen 29 und 66 Jahren der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie MONICA/KORA* aus. Zu Studienbeginn lag bei keinem der Teilnehmer ein Fall von Diabetes vor, während im Nachbeobachtungszeitraum über durchschnittlich 13 Jahre bei knapp 300 Personen Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Die ermittelte Risikoerhöhung durch die Arbeitsbelastung war unabhängig von klassischen Risikofaktoren für Diabetes, wie zum Beispiel Übergewicht, Alter oder Geschlecht.

Ganzheitliche Prävention wichtig – auch am Arbeitsplatz

„Nach unseren Daten ist rund jeder fünfte Arbeitnehmer von einer hohen psychischen Arbeitsbelastung betroffen. Die Wissenschaft meint hier nicht den „normalen Jobstress“, sondern die Situation, wenn Betroffene die Arbeitsanforderungen als sehr hoch einschätzen und gleichzeitig über geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume verfügen. Diese beiden Dimensionen haben wir in unseren Befragungen ausführlich erfasst“, erklärt Studienleiter Ladwig. „Angesichts der massiven gesundheitlichen Folgen von stressassoziierten Erkrankungen sollten präventive Maßnahmen gegen Volkskrankheiten wie Diabetes daher auch an diesem Punkt ansetzen.“

(cs / idw)

* Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit über 20 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Weiterführende Informationen hierzu finden am Thema Interessierte im Internet unter: www.helmholtz-muenchen.de/kora.

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