IUF: Feinstaub erhöht Sterberisiko

Wie bereits berichtet stellen neue Forschungserkenntnisse des zur Università Milano-Bicocca gehörenden Centro di Ricerca Polaris die EU-Gesetzgebung zum Thema Feinstaub auf dem Prüfstand. Auch das Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) schätzt die EU-Grenzwerte für Feinstaub als zu gering ein. Basis für Ihre Annahmen sind die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Ergebnisse einer Studie, an der das Institut selbst ebenfalls beteiligt war.

EU-Grenzwerte sind zu hoch

Menschen, die über einen längeren Zeitraum Feinstaub aus Verkehrsabgasen und industriellen Emissionen ausgesetzt sind, haben – selbst wenn die Konzentrationen deutlich unter den geltenden EU-Grenzwerten liegen – ein erhöhtes Streberisiko. So das zentrale Ergebnis eben erwähnter Studie, die den Titel ESCAP E trägt. Das Akronym steht für European Study of Cohorts for Air Pollution Effects. Im Rahmen von ESCAP E wurden über 360.000 Einwohnerinnen und Einwohner von Großstädten in 13 europäischen Ländern über zwei Jahrzehnte untersucht.

Kleine Unterschiede mit großen Auswirkungen

Die daran beteiligten Forscher gelangten nun zu der Einschätzung, dass bereits eine Erhöhung der jährlichen Langzeitbelastung um 5 Mikrogramm Feinstaub (PM2.5) das Sterberisiko um sieben Prozent steigert. Ein solcher Unterschied von 5 μg/m3 Feinstaub im Jahresmittel besteht zum Beispiel zwischen einer Straße mit starkem und geringem Verkehrsaufkommen. Die Studie zeigt, dass das Sterberisiko von Menschen mit einer mittleren jährlichen Feinstaubbelastung von maximal 20 μg/m3 bereits deutlich erhöht ist. Der in Europa gültige Grenzwert von 25 μg/m3 ist also deutlich zu hoch.

Feinstaub: Der Empfehlung der WHO folgen

„Auch unterhalb der heutigen EU-Grenzwerte für Feinstaub können wir Auswirkungen auf die Gesundheit sehen“, erklärt Prof. Ursula Krämer vom IUF. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt derzeit einen Jahresmittelwert von 10 µg/m3 PM2.5. „Die Studie bekräftigt die Empfehlungen der WHO, dass wir niedrigere Grenzwerte benötigen“, sagt Professor Barbara Hoffmann, ebenfalls vom IUF. „Ein Grenzwert ist immer nur ein Kompromiss. Egal auf welchem Niveau sich die Feinstaubkonzentration befindet – eine Absenkung lohnt sich aus gesundheitlicher Sicht immer.“

(cs)

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Hintergrundinformationen zur Studie:

In ESCAP E wurden die Daten aus 22 Kohortenstudien aus 13 europäischen Ländern mit insgesamt 367.251 Menschen zusammengefasst. Das IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf war mit der SALIA-Kohorte, einer Gesundheitsstudie an fast 5.000 älteren Frauen aus dem Ruhrgebiet und dem Landkreis Borken, die bereits seit 1985 regelmäßig untersucht werden, an dieser Analyse beteiligt. Die detaillierten Untersuchungsergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht.

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