Fachkräftemangel in der Pflege: Regierung plant Ausbildungsreform

Das Wort „Fachkräftemangel“ scheint eines der großen Kampfparolen dieses Jahrhunderts zu sein. Während die einen diese beständig ausrufen, haben andere den Eindruck, dass es genügend mögliches Personal gibt. Das will entweder für den deutschen Arbeitsmarkt nicht gefunden werden oder ist bildungstechnisch nicht zur „Fachkraft“ geeignet. Nun soll die Ausbildung reformiert werden.

Über den Fachkräftemangel kann man in Bezug auf andere Branchen streiten. Kritiker spotten schließlich seit Jahren darüber, dass mit dieser Parole lediglich ein Überangebot geschaffen werden soll, aus dem Personalverantwortliche sich dann die Rosinen heraussuchen können. Im Bereich der Pflege gibt es den Fachkräftemangel tatsächlich. Die Gründe sind neben dem genannten fehlenden, ausbildungsfähigen Nachwuchs vielfältig.

Die geplante Reform der Pflegeausbildung

Viele Pflegekräfte bemängeln die Ausbildung, die sie hierzulande erhalten. Während in anderen Ländern, wie Skandinavien, Schweiz und den USA, eine akademische Ausbildung absolviert werden muss, scheint es den Verantwortlichen in Deutschland zu reichen, dass potenzielle Azubis die 10. Klasse abgeschlossen haben und ansonsten ausreichend Empathie mitbringen.

Karl-Josef Laumann (CDU) ist Patientenbeauftragter und Pflegebevollmächtigter der derzeitigen Bundesregierung. Eine wirklich entscheidende Maßnahme für die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes ist ihm zufolge die Abschaffung der kostenpflichtigen Ausbildung. Nach Laumanns Plänen sollen die Institutionen für die Ausbildungskosten aufkommen, die Pflegekräfte beschäftigen und daher auf Fachkräfte angewiesen sind. Außerdem soll die Ausbildung nicht mehr nach Fachrichtung ablaufen, sondern vereinheitlicht werden. Die Ausbildungsreform soll es nun richten. Bereits zum 1. Januar 2014 sind im Bereich Gesundheit und Pflege zahlreiche Änderungen in Kraft getreten.

Bessere Bezahlung und Möglichkeit zum Medizinstudium

Dass das Pflegepersonal besser entlohnt werden muss, das steht außer Frage. Was Karl-Josef Laumann anscheinend nicht bedacht hat, es gehört daneben ein gesellschaftliches Umdenken dazu, um den Pflegeberuf wieder attraktiver werden zu lassen. Potenzielle Auszubildende, die gern in diesem Bereich arbeiten möchten, gibt es schließlich. Leider hören die nach nur wenigen Jahren im Beruf auf. Entweder wandern sie in ein Land aus, in dem ihnen mit mehr Respekt begegnet wird oder sie suchen sich ein anderes Betätigungsfeld.

Experten sind sich einig, dass dem pflegenden Berufszweig mehr Respekt gezollt werden würde, wären nicht nur Empathie und die Freude am Umgang mit Menschen Ausbildungsvoraussetzung. Die von Laumann vorgeschlagene Möglichkeit des Medizinstudiums reicht dafür allerdings nicht aus. Jeder, der einen Pflegeberuf ergreifen möchte, sollte mindesten ein Fachabitur vorweisen können und darüber hinaus eine akademische Ausbildung genießen. Schon jetzt bieten zahlreiche Fachhochschulen und drei deutsche Universitäten Weiterbildungen in Form verschiedener Studiengänge an. Auf diesen Bachelorabschluss können Absolventen dann einen Master folgen lassen. Erklärtes Ziel dabei ist, dass Angehörige der Pflegeberufe mit Ärzten und anderen medizinischem Fachpersonal auf Augenhöhe arbeiten können.

Eine Ausbildungsreform ist also dringend notwendig. Denn sonst wird es künftig niemanden mehr geben, der uns pflegt. Ein Blick in aktuelle Stellenanzeigen offenbart, wie stark Arbeitnehmer in der Pflege derzeit nachgefragt sind. In einer auf dem Jobportal Stepstone veröffentlichten Anzeige gab es neben den üblichen Wochenend- und Feiertagszuschlägen auch noch eine Ferienwohnung am Meer oben drauf.

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