Gesund im Beruf alt werden: Checkliste für fitte Mitarbeiter

Hamburger Firmen engagieren sich für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter

Der demografische Wandel in Deutschland und die Anhebung des Rentenalters führen dazu, dass Unternehmen zunehmend ältere Mitarbeiter beschäftigen. Doch damit Arbeitnehmer fit bleiben, um bis ins hohe Alter ihren Beruf ausüben zu können, sollten die Arbeitsbedingungen gesundheitsfördernd und -erhaltend gestaltet sein. Leider sieht die Realität in vielen Bereichen aber noch anders aus. Welche Vorteile ältere Arbeitskräfte bieten, wie wichtig die Gestaltung des Arbeitsplatzes ist und was Unternehmen für die Gesundheit aller Mitarbeiter tun können, wissen die Experten von TÜV SÜD.

Gesund im Beruf alt werden: Checkliste für fitte Mitarbeiter
Bild: marlontiroke.com / pixelio.de

Älteren Menschen wird oft nachgesagt, sie seien generell weniger leistungsfähig, kaum lernfähig, weniger belastbar, langsamer in der Informationsaufnahme und krankheitsanfällig. Deshalb bevorzugen viele Unternehmen noch immer junge Arbeitskräfte. Doch die gängigen Vorurteile stimmen so nicht. Zwar verlieren wir im Alter an Muskelkraft sowie Schnelligkeit und die Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane lässt nach, doch manch andere Fähigkeit wird von der Anzahl der Lebensjahre nicht beeinflusst. So haben ältere Mitarbeiter meist mehr Erfahrungswissen, eine höhere Arbeitsdisziplin, eine bessere Einstellung zu Qualität und verfügen über mehr Loyalität, Zuverlässigkeit und Führungskompetenzen. Es spricht also nichts dagegen, auch ältere Arbeitskräfte zu beschäftigen. Doch damit sie tatsächlich lange genug fit bleiben, müssen Unternehmen für entsprechende Arbeitsbedingungen sorgen.

Gesundheitsschonende Arbeitsbedingungen – für jung und alt

“Bereits junge Mitarbeiter brauchen Arbeitsplätze und -zeiten, mit denen sie gesund altern können”, erklärt Dr. Rumen Alexandrov, Fachlicher Leiter Arbeitsmedizin bei der TÜV SÜD Life Service GmbH. “Schließlich werden ihre Kräfte und Fertigkeiten auch in dreißig Jahren noch gebraucht. Unternehmen appellieren gerne an ihre Mitarbeiter, dass sie sich gesund ernähren und Sport treiben sollen. Es liegt aber auch am Arbeitgeber, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Gesundheit schonen.” Ein erster Schritt dahin ist eine sorgfältige Analyse der betrieblichen Altersstruktur sowie eine umfassende Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich alterskritischer Tätigkeiten an allen bestehenden und geplanten Arbeitsplätzen. So können der vorzeitige Verschleiß der aktuell jungen Beschäftigten verhindert und auf ältere Mitarbeiter abgestimmte Arbeitsplätze gestaltet werden. Außerdem sollten Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) eingeführt werden. Dazu zählt der klassische Arbeits- und Gesundheitsschutz zum Beispiel in Form von ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen genauso wie die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) mit Sportangeboten, Ernährungsseminaren oder Angeboten, mit denen psychischen Fehlbelastungen entgegengewirkt werden kann. Zusätzlich sind Weiterbildungen ein wichtiger Faktor für lange Leistungsfähigkeit. Denn mangelnde Qualifikationen führen schnell zu Überforderung, Unsicherheit und Stress – und somit häufig auch zu Krankheit und Arbeitsunfähigkeit.

Grundlegend für den Erfolg der Maßnahmen und der Integration älterer Mitarbeiter ist ein wertschätzender und vorurteilsfreier Umgang mit ihnen, der in der gesamten Unternehmenskultur integriert ist. Vor allem Führungskräften sollten die Stärken ihrer älteren Kollegen bewusst sein, damit es zu keiner Benachteiligung kommt. Denn in einer altersgemischten Belegschaft können sich die Stärken der verschiedenen Altersgruppen ergänzen und Schwächen ausgleichen.

Checkliste: Fitte Mitarbeiter – auch im Alter

Damit Arbeitnehmer bis zur Rente gesund und arbeitsfähig bleiben, braucht es ein Umdenken in den Unternehmen. Denn es ist nicht nur die Aufgabe der Mitarbeiter, sich fit zu halten. Auch der Arbeitgeber muss seinen Teil dazu beitragen. Maßnahmen, damit ein heute 20-Jähriger noch 47 Jahre in seinem Beruf arbeiten und anschließend gesund in Rente gehen kann:

Altersgerechte und alternsgerechte Arbeitsplätze

Unternehmen sind zunehmend auf ältere Mitarbeiter angewiesen. Damit diese ihre Arbeit auch leisten können, braucht es sowohl eine altersgerechte als auch eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung.

– Altersgerecht: Ein altersgerechter Arbeitsplatz nimmt Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter. Er kann beispielsweise durch Job-Rotation, Veränderung der Tätigkeit, Zuteilung neuer Aufgabenfelder, durch ergonomische Maßnahmen oder durch neue Betriebsstrukturen erzielt werden. Wichtig sind auch altersgerechte und flexibel gestaltbare Arbeitszeiten.
– Alternsgerecht: Das Ziel alternsgerechter Arbeitsplätze ist es, präventiv der Entstehung alterstypischer Defizite entgegenzuwirken. Bereits in der frühen und mittleren Berufsphase sollten Belastungen und Beanspruchungen möglichst reduziert werden, um die Arbeitnehmer und ihre Leistungsfähigkeit nicht frühzeitig zu verschleißen. So können sie gesund bis zur Rente und darüber hinaus durchhalten.

Maßnahmen für die Belegschaft

Damit die Mitarbeiter bis ins hohe Alter gesund und arbeitsfähig bleiben, müssen bereits während des gesamten Berufslebens entsprechende Vorkehrungen getroffen werden:

– Gesundheit
Gerade die Verantwortung für die Gesundheit wird von vielen Arbeitgebern gerne allein den Arbeitnehmern überlassen: Sie sollten sich gesund ernähren und Sport treiben. Das ist natürlich richtig und wichtig, doch es reicht nicht aus. Auch der Arbeitgeber hat Möglichkeiten, positiven Einfluss auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu nehmen, und sollte diese nutzen. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen des klassischen Arbeits- und Gesundheitsschutzes inklusive der ergonomischen Optimierung des Arbeitsplatzes oder technischen Hilfen für Hebe- und Tragearbeiten. Wichtig ist außerdem eine Gefährdungsbeurteilung mit anschließender Behebung der potenziellen Belastungen – sowohl der physischen als auch der psychischen. Weitere Maßnahmen im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) können Sportangebote, Ernährungsseminare, eine Rückenschule, Rauchentwöhnungsprogramme oder Anti-Stress-Seminare sein. Zudem sollte sichergestellt werden, dass alle Hygiene- und Sicherheitsvorschriften im Unternehmen eingehalten werden.

– Weiterbildung
Mangelnde Qualifikation führt schnell zu Überforderung und damit zu Unsicherheit, Stress und Krankheit. Um dem entgegenzuwirken, sind regelmäßige Weiterbildungen nötig – und zwar über das gesamte Berufsleben hinweg. Das heißt, auch älteren Arbeiternehmern muss der Zugang zu Fortbildungsmaßnahmen ermöglicht werden. Sollten sie diese nicht von sich aus ergreifen, ist es wichtig, sie zu einer Teilnahme zu motivieren. Meist ist es besonders effizient, jüngere und ältere Mitarbeiter gemeinsam lernen zu lassen. Diese sogenannten Tandems bieten sich auch für den Wissensaustausch zwischen den Generationen an. Spezielle Angebote für Ältere werden schnell als diskriminierend empfunden und aus diesem Grund abgelehnt.

– Arbeitsgestaltung
Tätigkeiten, die anforderungsarm, monoton und hocharbeitsteilig sind, führen zu sinkender mentaler Leistungsfähigkeit, Demotivierung und vorzeitigem körperlichen und psychischen Verschleiß. Um dies zu vermeiden, braucht es körperlich und geistig abwechslungsreiche Aufgaben. Geben das einzelne Arbeitsbereiche nicht her, können Job Rotation, Job Enlargement und Job Enrichment helfen. Bei der Job Rotation wird zur Abwechslung regelmäßig zwischen verschiedenen Aufgaben gewechselt, während die Tätigkeit beim Job Enlargement mit zusätzlichen Arbeiten angereichert wird. Beide Maßnahmen verringern körperliche und psychische Beschwerden, die durch einseitige Anforderungen entstehen. Beim Job Enrichment wird das Aufgabenspektrum um eine höhere Tätigkeit erweitert. Der Mitarbeiter erhält also mehr Eigenverantwortung und einen größeren Entscheidungsspielraum. Wichtig ist aber, dass die Arbeitnehmer bei der Gestaltung ihrer Aufgaben miteinbezogen und diese auf ihre Leistungsfähigkeit ausgerichtet werden. Mit einer Entscheidung über ihren Kopf hinweg erreicht man im Zweifel genau das Gegenteil. Einige körperlich belastende Arbeiten können in höherem Alter nicht mehr ausgeführt werden. Hier müssen dann entsprechende Alternativen geschaffen werden. Für ältere Arbeitskräfte besonders geeignet sind unter anderem Beratertätigkeiten, Qualitätsmanagement, Produkt- und Prozessoptimierung, Auftragssteuerung, Kundenkontakt oder Unterstützung von Projekten, die nicht nach Plan laufen.

– Arbeitszeit
Gerade im Alter verändert sich der Zeitbedarf der Mitarbeiter – sowohl für berufliche Aufgaben als auch für das Privatleben. Entsprechend sollten die Arbeitszeiten angepasst werden, wobei es verschiedene Möglichkeiten gibt. Eine altersgerechte Pausengestaltung etwa sieht eine verlängerte Mittagspause und selbstverantwortete Ruhepausen vor. Gerade im Schichtbetrieb ist eine angepasste Planung wichtig. Je nach Möglichkeiten im Betrieb und Alter der Arbeitnehmer sollte auch der komplette Ausstieg aus der Nachtschicht in Betracht gezogen werden. Die Einrichtung einer Vertrauensarbeitszeit kommt dem Wunsch vieler Älterer nach mehr Selbstverantwortung entgegen und ermöglicht ihnen auch flexible Pausenzeiten. Manch einer möchte im Alter auch nicht mehr so viel arbeiten. Hier bieten sich Teilzeit-Regelungen wie eine 3-Tage-Woche oder eine gesenkte Stundenanzahl pro Woche an.

– Personalpolitik
Um das Wissen der älteren Mitarbeiter nicht zu verlieren, wenn sie in Rente gehen, ist es sinnvoll, den Wissenstransfer langfristig und strukturiert zu planen. Hier hilft es, dem älteren einen jungen Arbeitnehmer zur Seite zu stellen, der von dessen Erfahrungen profitieren und das Wissen übernehmen kann. Davon abgesehen ist es auch wichtig, dass freie Stellen nur nach Qualifikation vergeben und Bewerber – egal ob interne oder externe – nicht aufgrund ihres Alters abgelehnt werden.

TÜV SÜD unterstützt Unternehmen in puncto Gesundheitsmanagement

Die TÜV SÜD Life Service GmbH betreut die Mitarbeiter von knapp 10.000 Unternehmen in Deutschland beim Arbeits- und Gesundheitsschutz und entwickelt individuelle Lösungen zum Umgang mit Stress, zur Förderung der Arbeitsmotivation, bei Suchtgefährdung sowie bei Über- oder Unterforderung. Das Ziel ist stets, Bedingungen am Arbeitsplatz zu schaffen, die die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter schützen. Die Mitarbeiter honorieren dies durch bessere Leistungsfähigkeit. Kosten durch Arbeitsunfälle, einseitige Belastungen und Krankheiten werden verringert und auch Leistungseinbrüche durch psychischen Stress oder Überforderung können durch ein durchdachtes Betriebliches Gesundheitsmanagement wirksam abgefedert werden.

(TÜV Süd)

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