IT-Standort Deutschland leidet unter Fachkräftemangel

Fachkräftemangel, Stellenbesetzungsprobleme, IT

Um hier eines vorweg zu nehmen Stellenbesetzungsprobleme sind keinesfalls mit einem Fachkräftemangel gleichzusetzen, wie Prof. Dr. Ernst Kistler, Direktor des Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES), bereits im Interview mit unserer Partnerwebsite AGITANO betonte. Dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mag jedoch egal sein, wie man das Phänomen, das gemeinhin mit dem demografischen Wandel verbunden wird, nennt. Der VDI befürchtet: Wenn der aktuelle Trend auf dem IT-Arbeitsmarkt nicht aufgehalten werden kann, begibt sich Deutschland in ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis.

Trend in Richtung Outsourcing

Fachkräftemangel, Stellenbesetzungsprobleme, IT
Fachkräftemangel: Zumindest die IT-Branche verspürt einen steigenden Anteil unbesetzter Stellen. (Bild: Tomasz Bazylinski / stocksnap.io)

Wie wirkt sich die Digitale Transformation auf die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland aus? Der Verein Deutsche Ingenieure (VDI) wollte das einmal genauer wissen und hat dazu bundesweit über 1.000 Fachkräfte interviewt.* Ein besonders bemerkenswertes Ergebnis dieser Befragung: Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland hat sich laut den Befragten in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. So schätzten sie zuletzt noch 39,7 Prozent als „gut“ ein. Zum Vergleich: Noch vor vier Jahren lag dieser Anteil bei fast 60 Prozent!

Gefragt nach dem Grund, warum die Wettbewerbsfähigkeit als so gering eingeschätzt wird, geben viele an, dass ihnen die steigende Nachfrage, verbunden mit einem signifikanten Engpass bei qualifizierten IT-Fachkräften, Sorge bereitet. Arbeitgeber scheinen für diese Entwicklung eine zumindest kurzfristige „Lösung“ parat zu haben: Gut 52 Prozent der Befragten geben an, dass Unternehmen das eigene Know-How über die Dinge, welche die Digitale Transformation betreffen, auslagern. Mit anderen Worten, bei Arbeitgebern setzt sich, was Aufbau und Instandhaltung der eigenen IT-Infrastruktur angeht, der Trend Richtung Outsourcing durch.

Weniger (Weiter-) Bildung? Definitiv das falsche Signal!

„Dieser Trend sollte uns zu denken geben“, kommentiert VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer anlässlich der CeBIT 2016 die Ergebnisse der Studie. „Zukünftig werden Dienstleistungs- und Geschäftsmodelle auf der Verfügbarkeit und Nutzung von Daten beruhen. Es wird darauf ankommen, sich hier nicht in die Abhängigkeit von anderen zu begeben, sondern notwendiges Know-how im eigenen Unternehmen und am Standort Deutschland zu haben. Von daher halten wir die Entwicklung, das eigene Personal tendenziell weniger weiterzubilden, für das falsche Signal.“

Fachkräftemangel in der IT – auch eine Frage des Datenschutzes

Das Outsourcing ist auch unter einem anderen Gesichtspunkt bedenklich. Schließlich verfügt ein Arbeitgeber über eine Vielzahl unterschiedlicher Daten seiner Angestellten. Laut Eck­punk­te­pa­pier zum Be­schäf­tig­ten­da­ten­schutz, herausgegeben vom Bundesministerium des Innern (BMI), dürfen diese nur zu dem Zweck verwendet werden, zu welchem sie ermittelt wurden. Wenn man als Arbeitgeber Dritte, also zum Beispiel externe IT-Dienstleister, Arbeitnehmerdaten zugänglich macht, birgt dieses Vorgehen das Risiko in sich, dass eben jene Daten in falsche Hände gerät.

* Mehr zum Inhalt und Aufbau der Studie sowie weiterführende Informationen finden am Thema Interessierte in folgender VDI-Pressemitteilung: Digitale Transformation: Wichtiges Know-How wird zunehmend ausgelagert.

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