Nach dem Schulpsychologen folgt oft der Hausarzt

Stress, Burnout und Depressionen belasten nicht nur die Arbeitswelt. Auch im unseren Schulsystem haben die Volkskrankheiten längst Einzug erhalten. Das ist auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht anders. Eine Studie*, die Forschende der Universität Basel soeben im Fachmagazin »PLOS ONE« veröffentlicht haben, zeigt auf wie Betroffene mit diesem Phänomen umgehen.

Nach dem Schulpsychologen gehen Jugendliche oft zum Hausarzt

(Bild: delater / pixelio.de)
Schulpsychologen oder Allgemeinmediziner: Wo suchen Jugendliche Rat, wenn ihnen der Termindruck über den Kopf wächst? (Bild: delater / pixelio.de)

Jugendliche mit einer psychischen Störung erhalten nach dem Besuch bei Schulpsychologen oft Hilfe von Haus- oder Kinderärzten, die sie vor allem allgemeinmedizinisch betreuen. Weniger wenden sich die Betroffenen nach dem Schulpsychologen direkt an Therapeuten und Ärzte, die auf psychische Störungen spezialisiert sind. Ausgewertet wurden die Daten von rund 6‘500 Teenagern aus den USA.

Schulpsychologen als Wegweiser im Gesundheitssystem

Ein bedeutender Teil aller Kinder und Jugendlichen leidet irgendwann während ihrer Schulzeit unter einer psychischen Störung. Schulpsychologen sind dann wichtige erste Anlaufstellen. Jedoch wird eine – oft psychotherapeutische – Behandlung der Schülerinnen und Schüler meist nicht direkt durch die Schulpsychologen selbst durchgeführt. Idealerweise weisen Schulpsychologen den weiteren Weg durch das Gesundheitssystem, sodass die Betroffenen bei Spezialisten therapeutische Hilfe finden können.

Doch wie sieht das in der Realität aus?

Welche Rolle spielen Schulpsychologen für den weiteren Weg durch das Gesundheitssystem, den Kinder und Jugendliche mit einer psychischen Störung gehen? Dieser Frage ist eine Forschungsgruppe um PD Dr. Marion Tegethoff von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel im Rahmen eines vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts nachgegangen. Sie analysierte dazu die Daten einer repräsentativen Stichprobe aus den USA, bestehend aus 6.483 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 13 und 18 Jahren.

Versorgung könnte verbessert werden

Die Forschenden stellten fest, dass die Betroffenen nach der Konsultation bei Schulpsychologen häufiger Hilfe im klassisch körpermedizinischen Gesundheitssektor suchten – vor allem beim Hausarzt oder Kinderarzt. Zudem nahmen sie öfter auch andere im Gesundheitsbereich verankerte Angebote wahr, so etwa Telefon-Hotlines, Selbsthilfegruppen und Familienhilfe. Dagegen hatte das Aufsuchen von Schulpsychologen keinen Einfluss darauf, ob sich die Betroffenen anschliessend Hilfe durch auf psychische Störungen spezialisierte Ärzte und Psychotherapeuten suchten – und das, obwohl gerade diese die Fachleute für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen sind.

Problem der Übertragbarkeit

Die Forschenden interpretieren dieses Ergebnis als Hinweis darauf, dass US-amerikanische Schulpsychologen bereits einen wertvollen Beitrag dazu leisten, um die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. „Allerdings bleibt zu prüfen, ob die Zusammenarbeit zwischen Schulpsychologen und Psychotherapeuten sowie Ärzten, die auf psychische Störungen spezialisiert sind, weiter gestärkt werden sollte, um die Hilfe zu optimieren“, erläutert Marion Tegethoff. Inwieweit sich die in den USA gewonnenen Erkenntnisse auf andere Länder übertragen lassen, müssen weitere Analysen zeigen. Bislang fehlt es in vielen Ländern an Studien, die Antworten darauf geben könnten.

(cs mit Informationsmaterial der Universität Basel via idw)

*Marion Tegethoff et al.: School mental health services: signpost for out-of-school service utilization in adolescents with mental disorders? A nationally representative United States cohort, in: PLOS ONE, published June 09, 2014 | DOI: 10.1371/journal.pone.0099675.

HCC Redaktion

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