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Empfehlung / Studien

Wenn Fliegen Bauchschmerzen verursacht, liegt das nicht am Stress

Geschäftsreisende, die über chronische Bauchschmerzen klagen, machen oft die Erfahrung, dass ihre Beschwerden insbesondere nach Flügen an Intesität zunehmen. Oft machen sie hierfür den Reisestress verantwortlich. Wissenschaftler aus der Schweiz haben jedoch festgestellt, dass die Hauptursache in der sprichwörtlich „dünnen Luft“ liegt. Wird dieser neue Risikofaktor berücksichtigt, kann man Magenschmerzen auf Reisen künftig besser vorbeugen.

Schweizer Forscher erhärten Zusammenhang zwischen chronischen Bauchschmerzen und Sauerstoffmangel

Hypochonder: Angst vor der Krankheit und krank vor Angst

Wer unter chronischen Bauchschmerzen leidet, macht oft Stress dafür verantwortlich. Zu unrecht, wie Wissenschaftler aus der Schweiz meinen (Bild: Benjamin Thorn / pixelio.de).

Sauerstoffmangel, wie sie in den Bergen oder in Flugzeugen herrscht, kann bei Menschen mit entsprechender Veranlagung Entzündungen im Verdauungstrakt auslösen. Diesen Zusammenhang haben Forschende der Schweizer IBD-Kohorte nun mit Untersuchungen an rund 100 Patienten erhärtet, die an chronisch entzündlichem Darm (engl. inflammatory bowel disease, IBD) leiden. Im Folgemonat nach einem Aufenthalt in den Bergen oder einer Flugreise traten Entzündungsschübe deutlich häufiger auf, wie die Forschenden um Stephan R. Vavricka vom Triemlispital in ihrer kürzlich publizierten Studie berichten.

Schuld liegt weder am Reisestress noch an im Ausland zugezogenen Effekten

Patienten mit IBD sind sich des Zusammenhangs von Reisen und Entzündungsschüben oft bewusst und verzichten deshalb aufgrund negativer Erfahrungen mitunter ganz auf Reisen in entfernte Gegenden. Im Allgemeinen werde die Schuld für die Schübe allerdings eher beim Reisestress oder bei im Ausland zugezogenen Infekten gesucht, sagt Vavricka. Der Gastroenterologe und Erstautor der Studie ist sich aber sicher, dass der Grund für die Entzündungsschübe Sauerstoffmangel ist. Eine Flugreise entspricht einem Aufenthalt in etwa 2.500 Metern Höhe, was die Sauerstoffkonzentration in der Luft angeht, und die Häufigkeit der Entzündungsschübe ist bei Flug- wie Bergreisen ähnlich erhöht. Zudem lasse sich der Zusammenhang auch im Labor anhand von Gewebeproben belegen, die bei Sauerstoffmangel eine entzündliche Reaktion zeigen, sagt Vavricka.

Neue Vorbeugemaßnahmen für Betroffene

Wenn Aufenthalte in höheren Berglagen und Flugreisen als gewichtige Risikofaktoren für Entzündungsschübe bei IBD-Patienten angesehen werden, verschafft das mitunter Erleichterung für die Patienten. So können zum Beispiel behandelnde Ärzte ihren Patienten vor einer Reise Medikamente verschreiben, um die Reaktion ihres Darms auf den Sauerstoffmangel zu lindern und einem Entzündungsschub vorzubeugen.

Wesentliche Rolle von Umwelteinflüssen

Erst unlängst hatte dieselbe Forschungsgruppe aufgezeigt, dass es auch während Hitzewellen vermehrt zu Entzündungsschüben bei IBD-Patienten kommt. Damit wird immer deutlicher, dass Umwelteinflüsse eine wesentliche Rolle bei Entzündungen im Verdauungstrakt spielen. Mit weiteren Forschungsanstrengungen sollen diese Zusammenhänge in den nächsten Jahren erhellt werden, um damit den behandelnden Ärzten bessere Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Dabei sind auch Versuchsreihen in Druckkammern vorgesehen.

(Schweizerischer Nationalfonds)


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Hintergrundinformationen zur Schweizer IBD-Kohorten-Studie:

Mit dem Ziel, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (engl. inflammatory bowel disease, IBD) besser zu verstehen, haben sich Fachspitäler, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und universitäre Instituten zusammengeschlossen. Sie sammeln medizinische Daten von unterdessen beinahe 2000 Betroffenen, die sich an dieser Langzeitstudie beteiligen. Die Studie wird seit 2005 vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.

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