Zucker? Die Dosis macht das Gift – Interview mit Anna Fiedler

Zucker? Die Dosis macht das Gift – Interview mit Anna Fiedler

In Form von Schokolade oder Bonbons streichelt er die Seele oder tröstet Kinderherzen. Ob als Süße für Tee und Kaffee oder unsichtbar in Backwaren und Ketchup – Zucker ist ein fester Bestandteil unserer heutigen Ernährung.

Nicht ohne Folgen: Die ständige Verfügbarkeit und hoher Konsum von Zucker zieht zahlreiche negative gesundheitliche Folgen in Form von Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen nach sich. Doch was ist Zucker, woher kommt er und worauf sollte im Rahmen einer gesundheitsbewussten Ernährung geachtet werden? Das HCC-Magazin sprach mit Ernährungsexpertin Anna Fiedler über den Zucker – und dessen verschiedene Seiten.

Frau Fiedler, Zucker ist nicht mehr aus unserer heutigen Ernährung wegzudenken. Woher kommt der Zucker, wie wir ihn heute kennen, und wie erhielt er Einzug in unsere Ernährung?

Zucker? Die Dosis macht das Gift – Interview mit Anna Fiedler
Bild: Anna Fiedler

Zucker wurde im Jahre 1747 von einem deutschen Chemiker und Apotheker Andreas Sigismund Marggraf entdeckt. Marggraf stellte fest, dass die Rübe den gleichen Zucker enthält, wie das Zuckerrohr. Kein Mann ahnte damals, was Zucker für unsere gesunde Ernährung für Folgen haben würde. Anfang 1800 entstanden die ersten Zuckerrübenfabriken. So wurde aus einem Luxusgut ein Massenprodukt.

Wo liegen die Vorzüge und Probleme beim Zucker?

Der deutsche Arzt, Politiker und Sachbuchautor Dr. Bruker beschäftigte sich intensiv und sehr lange mit den Vorzügen und Problemen von Zucker. Zucker war früher ein Gewürz, worin seine Vorzüge liegen. Er versüßt Speisen und macht diese genießbar. Saure Früchte z.B. lassen sich mit Zucker in Marmelade oder Gelee verwandeln. Die Probleme von Zucker liegen in seiner Aggressivität. Er greift schnell Zähne an und bildet Karies. Übergewicht, Kopfweh, Konzentrationsschwierigkeiten, Darmerkrankungen z.B. können alle auf erhöhten Zuckerkonsum zurückgeführt werden. Das Weglassen von Zucker beweist meistens rasche Besserung der Symptome.

Es gibt verschiedene Begriffe für Zucker: Poly-, Mono- oder Disaccharide, Maltose, Oligofructose, Lactose, etc. Ist Zucker gleich Zucker? Worin bestehen die Unterschiede zwischen diesen Zuckerarten und wo kommen diese Zuckerarten vor?

Die Unterschiede in den Zuckerarten lassen sich an den Enden der Worte und der Herkunft der Zuckerart ausmachen. Z.B. Saccharide sind unter anderem Stärken, Traubenzucker, Fruchtzucker (Fructose). Die Saccharide werden als Zucker bezeichnet. Monosaccharide sind wasserlöslich, Polysaccharide nicht. Maltose ist ein Malzzucker. Es ist eine genauere Definition eines Disaccharids. Lactose ist ebenfalls ein Disaccharid und stammt aus der Milch. Diese Zuckerarten lassen sich aus Getreide, Milch, Früchten und Rüben herstellen.

Lust und Frust liegen beim Konsum von Zucker dicht beieinander. Was können Sie als Ernährungsexpertin unseren Lesern im Umgang mit Zucker empfehlen?

Ich sage immer gern, die Dosis macht das Gift. Jetzt zu Beginn der Fastenzeit ist ein guter Zeitpunkt, alle Lebensmittel genauer zu betrachten und zu wählen. Wir hatten sehr genussvolle Zeiten mit Weihnachten, Silvester und Fasching. Schauen Sie auf Soßen, was drin ist. Verzichten Sie auf Alkohol. Wählen Sie dunkle Schokolade mit sehr hohem Kakaoanteil. Backen Sie Ihren Kuchen selbst und süßen Sie diesen mit einem geringeren Zuckeranteil. Süße Speisen lassen sich auch sehr gut mit süß schmeckenden Gewürzen wie Vanille, Zimt, Kardamom und Süßholz verfeinern. Ich selbst bin ein Mensch, welcher sehr schwer auf süße Naschereien verzichten kann. Es gibt auch viele Angebote, welche mit Nüssen und Früchten hergestellt werden. Ein Gang ins Reformhaus lohnt sich alle Mal.

Worauf sollte man beim Lebensmitteleinkauf besonders achten?

Generell heißt auch hier die Devise: „Weniger ist mehr!“. Klasse statt Masse. In Bezug auf Zucker und Süßigkeiten ist ein sehr guter Weg, erst mal mehr Früchte zu kaufen und zu essen. Bei Süßigkeiten ist man gut damit beraten, für weniger Produkte mehr Geld auszugeben bzw. für das gleiche Geld hochwertigere Dinge zu kaufen. Probieren Sie mal ein paar Pralinen aus der Confiserié. Die schmecken viel besser und Sie essen davon viel genussvoller. Fertigsoßen sind unnötig. Ein guter Kochkurs zeigt, dass man seine Soßen ohne Zucker in gleicher Zeit selbst herstellen kann. Wenn Sie eine gute Beziehung zu sich selbst entwickeln, entwickelt sich automatisch eine andere Beziehung zu Lebensmitteln und deren Qualität. Ein Besuch auf einem Bauernhof kann auch schon ein Umdenken erzeugen.

Wie verlässlich ist die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ auf Lebensmitteln?

Auch hier rate ich immer dazu, auf die Inhaltsstoffe zu schauen. Die Aufschrift ist nur zulässig, wenn das Produkt keine zugesetzten Mono- oder Disaccharide oder irgendein anderes wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel enthält.

Kann und sollte man heutzutage völlig auf Zucker verzichten?

Ich glaube, das ist in unserer Zivilisation unmöglich und unnötig. Jeder sollte sich selbst fragen: Was will ich damit bezwecken? Übergewicht entsteht sicher zu einem großen Teil aus ungesunder Ernährung. Aber wer sich ungesund ernährt, lebt auch unbewusst. Es lohnt also ein Blick nach innen: Warum lebe ich unbewusst? Was gefällt mir da draußen nicht, dass ich mir nicht wirklich klar bin, warum ich das und das esse? Wenn dieses Unbewusste in ein bewusstes Essen verändert wird, ist auch Zuckerkonsum kein Problem, denn es wird als Genuss empfunden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zucker? Die Dosis macht das Gift – Interview mit Anna Fiedler
Bild: Vitalligent

Zur Person Anna Fiedler

Als top-qualifizierte Ernährungsberaterin mit langjähriger Erfahrung im Consulting-Bereich kennt Anna Fiedler die Herausforderungen im Management bis ins Detail und hat schon zahlreiche Klienten aus unterschiedlichsten Branchen erfolgreich beraten. Die Manager, die sie betreut, schätzen jedoch nicht nur ihr Know-how, sondern vor allem ihre Fähigkeit, nachhaltig zu motivieren und zu begeistern. Ebenso wertvoll ist Anna Fiedlers Gespür, die Bedürfnisse ihrer Kunden präzise zu erkennen. Homepage: www.vitalligent.de

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