Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interviewreihe (Teil 3)

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interviewreihe (Teil 3)

Dritter Teil der Interviewreihe zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement mit Michael Hoeckle, Veranstalter der Messe HUMAN CAPITAL CARE und Geschäftsführer der Eventus49 GmbH.

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interviewreihe (Teil 3)
Bild: HUMAN CAPITAL CARE

Im ersten Teil und zweiten Teil unserer Interviewreihe „Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Personalbereich“ beantwortete Michael Hoeckle Fragen zu den Herausforderungen der Wirtschaft und der Wichtigkeit von Betrieblichem Gesundheitsmanagement sowie den aktuellen wirtschaftlichen Status des Gesundheitswesens. Im heutigen dritten Teil werden die Motive für betriebliches Gesundheitsmanagement und die Ziele der Unternehmen näher beleuchtet.

Die Fehlzeiten und den Krankenstand reduzieren oder motivierte Mitarbeiter und Erhöhung von Arbeitszufriedenheit – Welche Motive und Ziele haben die Betriebe für ein betriebliches Gesundheitsmanagement?

Hier denke ich, wird jeder Unternehmer klar sagen, dass er in erster Linie die unnötigen Kosten reduzieren möchte. Das ist das Hauptziel des ganzen Themas. Darum gibt es auch die stetige Frage nach dem Return on Invest. Es ist allerdings nicht nur ein reines, in erster Linie betriebswirtschaftliches Vorgehen, sondern eins für das Unternehmensmarketing, welches sich strategisch auswirken wird. So ist es, neben dem Personalmarketing, ein vorbildlicher Arbeitgeber zu sein, auch das Image, welches ein Unternehmen gegenüber Lieferanten und Kunden positioniert. Die Ziele sind individuell und sollten vor dem aktiven Angehen, klar definiert werden. Dadurch können Sie auch ebenso kontrolliert und auf Erfolg bewertet werden. Trotz der ganzen Softfacts im BGM sind Erfolge mit Kriterienbestimmung mess- und darstellbar. Dies erkennen Unternehmen immer häufiger.

Wer initiiert für gewöhnlich den Beginn von Maßnahmen für ein betriebliches Gesundheitsmanagement in einem Unternehmen? Die Führungsebene, Betriebsräte oder sogar der „kleine“ Mitarbeiter?

Wer das BGM in einem Unternehmen initiiert ist von der Unternehmensgröße und -struktur abhängig. So wird ein Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern anders rangehen, als ein kleiner Handwerksbetrieb. Auch unterscheidet es sich dadurch, wie die Aufgabenverteilung im Unternehmen aussieht. Ein BGM sollte aber immer von der Geschäftsführung mitgetragen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Gesundheit Führungsverantwortung ist und die Akzeptanz der Umsetzung bei den Mitarbeitern im Unternehmen im Wesentlichen von der Vorbildfunktion abhängt. Anders ausgedrückt: Der Fisch fängt vom Kopf her das Stinken an! Ein übergewichtiger Geschäftsführer wird andere Mitarbeiter nicht zu gesunder Ernährung motivieren können und ein Sportmuffel animiert nicht zu mehr Bewegung. Zum Erfolg wird das Ganze bestimmt dann, wenn ein Steuerungskreis gebildet wird, in dem die verschiedensten Funktionen abgebildet sind: Ein Sprecher der Mitarbeiter wie der Betriebsrat, der Personalleiter, der Geschäftsführer. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße macht es sogar Sinn, einen mehrstufigen Steuerungskreis einzuführen, der hierarchisch angekoppelt ist und unterschiedliche Frequenzen der Treffen beinhaltet.

Wie sehen die Erwartungen an betriebliches Gesundheitsmanagement zu Beginn aus – und wie die Erfüllung und Umsetzung in der Realität?

Die Erwartungen sind in den meisten Fällen riesig. Um nicht komplett von der Ernüchterung der Komplexität des Themas erschlagen zu werden, ist es sinnvoll, wie im normalen Leben auch, neben den globalen Zielsetzungen kleine Zwischenziele zu setzen und darauf hinzuarbeiten. Die Realität zeigt nämlich, dass die größte Herausforderung darin liegt, die gewachsenen Strukturen zu ändern. So ist es z.B. nicht besonders hilfreich, einen Sportkurs anzubieten, wenn nur die hingehen, die sowieso schon viel Sport machen. Das Ziel ist es ja, diejenigen Mitarbeiter zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren, die es besonders notwendig haben und alle anderen dabei zu halten und zu unterstützen. Auch sollte nicht zu Beginn gleich das ganze Paket aufgefahren und die Mitarbeiter damit überfrachtet werden. Die Ziele des BGM’s werden dann zum Erfolg, wenn auch die zeitliche Abfolge der Einführung mit berücksichtigt wird.

Wie wird betriebliches Gesundheitsmanagement in der Regel von den Mitarbeitern angenommen und wie reagieren dieses auf die Maßnahmen?

Es ist bisher immer positiv angenommen worden, wenn das Unternehmen richtig vorgeht. Ein Mitarbeiter wird immer dankbar sein, wenn man ihm zeigt, dass man seine Arbeit schätzt und sich um sein Wohlbefinden kümmert. Warum wird bei einem Besuch zu Hause dem Gast etwas zu Trinken angeboten? Es ist nicht, dass er verdursten würde, es ist vielmehr eine Wertschätzung seines Besuches. Mit einer solchen Kleinigkeit kann man viel bewegen. Studien haben gezeigt, dass Chefs, die Ihre Mitarbeiter nur einmal am Tag loben, deutlich geringere Fehlzeitkosten haben. Wir sprechen hier von bis zu zehn Prozent. Die Kunst liegt darin, das ganze BGM mit seinen Maßnahmen dem Mitarbeiter richtig anzubieten und zu kommunizieren. Kein Mitarbeiter mag es, über dem Kopf eine Entscheidung gefällt zu bekommen, wenn es direkt um ihn persönlich geht. Die Motivation, sich daran zu beteiligen, steigt immer durch die Integration der Mitarbeiter. Dies geht auch, ohne dass es zu langen und dauerhaften Entscheidungsprozessen führt. Die Mitarbeiter werden es auf jeden Fall immer schätzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Im vierten Teil dieser Reihe erklärt Michael Hoeckle, wie betriebliches Gesundheitsmanagement im Sinne einer Unternehmensführung aussieht und welche Schritte für eine Einführung von BGM in ein Unternehmen nötig sind. Das Interview erscheint am Donnerstag, 14. Februar 2013, im HCC-Magazin.

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