Aufwachsen mit Sport – Eine neue Kinder- und Jugend-Längsschnittstudie über zehn Jahre

Körperliche Fitness ist ein unabhängiger Prädiktor des Körpergewichts

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) fängt nicht erst mit dem Eintritt ins Berufsleben an. Soeben ist in Deutschland eine bislang einmalige Längsschnittstudie zum Zusammenhang von Engagement im Sportverein und Entwicklung im Kindes- und Jugendalter erschienen. Diese zeigt: Der Vereinssport wirkt sich sowohl auf die Gesundheit, die Prävention von Risikoverhalten und die Persönlichkeitsentwicklung der „Fachkräfte von morgen“ aus. Allerdings nicht immer so positiv, wie es in der breiten Öffentlichkeit oft angenommen wird.

Der Auregung folgten konstruktive Maßnahmen

Körperliche Fitness ist ein unabhängiger Prädiktor des Körpergewichts
(Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

Als vor etwa zehn Jahren die Studie zur Jugendarbeit in Sportvereinen (die sog. „Brettschneider-Studie“) erschien, war die Aufregung im organisierten Sport zunächst groß, konnte sie doch nicht die hohen Erwartungen bestätigen, die Sportpolitik und Sportorganisation an den Sportverein richteten. Der ersten Aufregung und Irritation folgten dann umsichtige und konstruktive Maßnahmen der Verbände und Vereine im Interesse der sportlichen Jugendlichen.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren – von der dritten Klasse bis zum Abitur bzw. zur Berufsausbildung – untersuchten Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider, Universität Paderborn und sein Potsdamer Kollege Prof. Dr. Erin Gerlach den Einfluss des Sports auf Jungen und Mädchen und gelangen zu neuen, bemerkenswerten Resultaten.

Frühe Spezialisierung ist eher hinderlich

Beachtenswert für den Nachwuchsleistungssport ist der Befund, nach dem die frühe Spezialisierung und Festlegung auf eine Sportart und die frühzeitige Begegnung mit dem Wettkampfsystem für eine Leistungssportkarriere eher hinderlich als förderlich sind. Vielmehr sind Motivation und Beharrlichkeit die besten Voraussetzungen für stabile Vereinskarrieren.

Sportverein schafft soziale Ressourcen

Darüber hinaus stellt der Sportverein für junge Menschen eine ideale Plattform zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeit dar. Eine wichtige Voraussetzung, um die inzwischen so wichtigen Soft oder auch Social Skills zu erlernen. Als eine ganz wichtige soziale Ressource erweist sich der Sportverein beim Übergang von der Primar- zur Sekundarschule, wenn nämlich schulische Leistungen oder das Selbstbewusstseins in Frage gestellt werden und die bisherige Peergruppe weitgehend verloren geht. In dieser krisenhaften Situation verhindert die Einbindung in einer Sportgruppe, dass die Heranwachsenden in ein Loch fallen – eine Leistung, die weder Eltern noch Lehrer erbringen.

Vereinssport hat auch seine Schattenseiten

Erwartungsgemäß sind die Befunde zur Wirkung des Sportvereins auf die Gesundheit, die Prävention von Risikoverhalten, die Persönlichkeitsentwicklung oder als Motor der Integration von Migranten. Selbst eine stabile und über zehn Jahre dauernde Mitgliedschaft im Sportverein kann dies bezüglich keine durchgängigen positiven Effekte erzielen. Zwar zeigt sich, dass sportliche Jungen und Mädchen deutlich weniger rauchen als ihre sport- und vereinsabstinenten Altersgenossen. Anders aber das Bild beim Alkoholkonsum: Der Sportverein erweist sich als Ort, an dem das Trinken von Alkohol nicht nur kultiviert, sondern auch gelernt wird.

(cs mit Informationsmaterial der Universität Paderborn)

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