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Empfehlung / Management

Motivation: Gute Chefs wirken Wunder

Stress und Zeitdruck sind zwei Phänomene, welche die Debatten rund um den Arbeitsplatz von heute dominieren. Zurecht, hat sich die Anzahl an Fehltagen in Unternehmen aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Andererseits ist, Untersuchungsergebnissen zufolge, ein Großteil der Beschäftigten in Deutschland (85 Prozent), trotz Stress und hohem Zeitdruck, mit ihrem aktuellen Job zufrieden. Mit ihrem Chef allerdings nicht. Woran liegt das?

Zufriedenheit im Job: Deutschland unter den Top Ten

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Motivation und Arbeitszufriedenheit: Was erwarten deutsche Arbeitnehmer von ihren Chefs? (Bild: Cristine Lietz / pixelio.de).

Hintergrund: das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW-Köln) wollte wissen, wo die Bundesrepublik in puncto Arbeitszufriedenheit im internationalen Vergleich liegt. Dazu werteten die Ökonomen Daten der EU-Organisation Eurofund mit 2.000 Befragten in Deutschland aus. Hinzu kamen weitere inländische Daten aus den Jahren 2010 bis 2012.

Die gute Nachricht vorweg: Den Daten* zufolge sind 88 Prozent der Beschäftigten hierzulande mit ihrer Arbeit zufrieden. Damit belegt die Bundesrepublik unter den 31 untersuchten Ländern einen Top Ten-Platz (Platz 9). Spitzenreiter ist übrigens Dänemark, Schlusslicht Albanien. Die Resultate decken sich in etwa mit Befunden der OECD.

Prall gefüllter Geldbeutel allein macht keinen Traumjob

Das Gehalt ist für viele Beschäftigte in Deutschland zwar wichtig, aber nicht das Maß aller Dinge. So geben 82 Prozent der Arbeitnehmer, die mit ihrer Vergütung nicht zufrieden sind an, dass sie mit ihrer Arbeit dennoch zufrieden zu sein. Im europäischen Durchschnitt teilen knapp 77 Prozent der Beschäftigten diese Einstellung.

Auch Stress und Zeitdruck wirken sich – wie eingangs erwähnt – in Deutschland nicht derart auf die Arbeitnehmerzufriedenheit aus, wie es aufgrund der öffentlichen Diskussion oft den Anschein hat, so die Autoren der Studie. So seien Beschäftigte aus anderen europäischen Staaten weitaus stressanfälliger. In Frankreich geben rund ein Drittel (32 Prozent) der Befragten an, aufgrund von Stress nicht zufrieden mit ihrem derzeitigen Job zu sein. In der Bundesrepublik sind es dagegen nur 15 Prozent.

Motivation – Führungskräfte haben Nachholbedarf

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Deutschland in einem Punkt noch Nachholbedarf hat. So ist für die meisten deutschen Arbeitnehmen das Verhalten ihrer Führungskraft von immenser Bedeutung. Chefs, die über gute organisatorische Fähigkeiten verfügen, auf respektvolle Umgangsformen achten und vor allem ihre Mitarbeiter motivieren, erhöhen europaweit die Arbeitszufriedenheit ihrer Angestellten.


In diesem Punkt hat Deutschland noch Nachholbedarf, wenn man den Untersuchungsergebnissen folgt. Denn EU-weit geht der Wunsch nach Motivation durch den Chef für 81 Prozent der Befragten in Erfüllung. In Deutschland hingegen sagen nur 69 Prozent, dass ihr Vorgesetzter ihnen zumindest manchmal unter die Arme greift oder ihnen Rückendeckung gibt.

Die vorliegenden Studienresultate decken sich mit den Aussagen des Buchautors Rolf Schmiel. Im Interview gegenüber Incentimo betont der Motivationsexperte: der ein oder andere „Angestellte braucht viel Lob.“

Unternehmen durchaus selbstkristisch

Auch den Unternehmen selbst wird dieser Umstand zunehmend bewusst. Wie die Untersuchungsergebnisse des IW-Köln zeigen, organisiert deshalb knapp die Hälfte der heimischen Unternehmen spezielle Trainings für Vorgesetzte. Das ist auch nötig, so Schmiel, denn „viele [Führungskräfte]  machen sich gar nicht die Mühe individuell auf den Mitarbeiter einzugehen und versuchen mit einer Methode alle glücklich zu machen.“

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*Daten entnommen aus: Hammermann, A., Stettes O.: „Qualität der Arbeit – zum Einfluss der Arbeitsplatzmerkmale auf die Arbeitszufriedenheit im europäischen Vergleich“, IW-Trends 2/2013, S. 1 – 18.

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