Best Practice: Arburg GmbH + Co KG – Interview mit Martin Benzing

Best Practice: Arburg GmbH + Co KG – Interview mit Martin Benzing

Gesundheitstage mit wechselnden Schwerpunkten, um das Interesse der Mitarbeiter zu wecken, verschiedene Sporttreffs und Bewegungskurse, Stress- und Ernährungsseminare sowie Rauchfreiheit prägen die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter im Wechselschichtbetrieb der ARBURG GmbH + Co KG. Das Maschinenbauunternehmen mit Sitz in Loßburg ist einer der weltweit führenden Hersteller hochwertiger Spritzgießmaschinen für die Kunststoffverarbeitung. Das modulare Produktprogramm des Unternehmens besteht dabei aus energieeffizienten elektrischen, hybriden und hydraulischen Maschinen sowie abgestimmter Peripherie.

Best Practice: Arburg GmbH + Co KG – Interview mit Martin Benzing
Bild: Arburg GmbH + Co KG

Das 1923 in Loßburg gegründete Familienunternehmen in der nunmehr dritten Unternehmergeneration beschäftigt derzeit 2.200 Mitarbeiter. Die hauseigene Spritzgießtechnik „Made by ARBURG – Made in Germany“ wird dabei heute ausschließlich im ARBURG Stammwerk Loßburg mit 1.840 Mitarbeitern gefertigt. 360 weitere Mitarbeiter befinden sich an den 32 übrigen Standorten weltweit.

Martin Benzing, zuständig für Personal- und Sozialwesen / Human Resources bei der ARBURG GmbH + Co KG, spricht im heutigen Interview der HCC-Best-Practice-Reihe detailliert über die Förderung der Mitarbeitergesundheit in diesem Unternehmen.

Herr Benzing, bitte stellen Sie Ihr Unternehmen sowie Ihre Produkte kurz vor.

Der deutsche Maschinenbauer Arburg gehört weltweit zu den führenden Herstellern von Spritzgießmaschinen für die Kunststoffverarbeitung. Vervollständigt wird das Produktprogramm durch Robot-Systeme, kunden- und branchenspezifische Turnkey-Lösungen und weitere Peripherie.

Best Practice: Arburg GmbH + Co KG – Interview mit Martin Benzing
Bild: Martin Benzing

Getreu seinem Leitsatz „Arburg für effizientes Spritzgießen“ stellt das Unternehmen das Thema Produktionseffizienz in den Mittelpunkt aller Aktivitäten und betrachtet dabei die gesamte Wertschöpfungskette. Ziel ist, dass die Kunden von Arburg ihre Produkte in optimaler Qualität zu minimalen Stückkosten fertigen können – z.B. für die Automobil- und Verpackungsindustrie, Kommunikations- und Unterhaltungselektronik, Medizintechnik oder den Bereich Weißwaren.

Eine erstklassige Kundenbetreuung vor Ort garantiert das internationale Vertriebs- und Servicenetzwerk: Arburg ist mit eigenen Organisationen in 24 Ländern an 32 Standorten und über Handelspartner in mehr als 50 Ländern vertreten. Produziert wird ausschließlich im deutschen Stammwerk in Loßburg. Von den insgesamt rund 2.200 Mitarbeitern sind 1.840 in Deutschland beschäftigt, weitere 360 in den weltweiten Arburg-Organisationen.

Welche Besonderheiten bestehen in Ihrer Branche und vor allem in Ihrem Unternehmen hinsichtlich der Anforderungen an die Mitarbeiter im Arbeitsablauf?

Wir sind ein produzierendes Maschinenbauunternehmen mit Wechselschichtbetrieb in der Produktion ohne spezifische Besonderheiten.

Wie und wann kam es dazu, dass sich Ihr Unternehmen für Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement entschied und wie sah in diesem Zusammenhang die Ausgangssituation Ihres Unternehmens aus?

Wir erkannten schon sehr früh, genauer gesagt 1995, dass wir uns dem Thema Mitarbeiter-Gesundheit widmen und die Mitarbeitenden hier unterstützen müssen. Ausschlaggebend war letztendlich der nicht so günstige Krankenstand.

Wie haben Sie in Ihrem Unternehmen betriebliches Gesundheitsmanagement bzw. betriebliche Gesundheitsförderung in die eigenen Prozesse integriert und worauf mussten Sie in Ihrem Betrieb besonders achten? Haben Sie sich auch Hilfe von außerhalb geholt?

Wir installierten neben den Managementtools „Qualität allround“ und „Umwelt allround“ noch unser Managementtool „Gesundheit allround“, um dem Thema auch den notwendigen Stellenwert zu verleihen.

Hilfe von außen hatten und haben wir regelmäßig bei unseren Gesundheitstagen und sonstigen Angeboten, sei es von Krankenkassen, unserer Berufsgenossenschaft oder sonstigen Anbietern die uns je nach Themenschwerpunkt unterstützen.

Welche Maßnahmen ergriffen Sie im Einzelnen bzw. wie sahen konkrete Angebote für Ihre Mitarbeiter aus und wie wurden diese umgesetzt?

Wir starteten mit Gesundheitstagen und hier setzen wir regelmäßig neue Schwerpunkte um diese für die Mitarbeitenden interessant zu gestalten. Zug um Zug kamen dann der Lauf-, Nordic-Walking- und Langlauftreff hinzu. Wir bieten wöchentliche Yoga- und PowerFitnesskurse an, veranstalten Koch- und Ernährungsseminare und führen auch jährlich ARBURG Lauf- und Fußballmeisterschaften durch. Des Weiteren haben wir Stressseminare, Rückenkurse und eine „Augenschule“ durchgeführt. Seit 2009 ist die Fa. ARBURG rauchfrei. Im Zuge dessen haben Mitarbeitende, die gerne mit dem Rauchen aufhören wollten, eine entsprechende Unterstützung erhalten und wir haben sehr erfolgreich einen Rauchentwöhnungskurs durchgeführt. Anfang 2013 starteten wir dann mit einem wöchentlichen Rückenkurs mit spezieller Abstimmung auf die Arbeitszeiten der Schichtmitarbeiter.

Wie reagierten Ihre Mitarbeiter auf die neuen Angebote und Maßnahmen und wie gut wurden diese auch praktisch angenommen?

Die Mitarbeitenden reagieren sehr erfreut und interessiert auf die diversen Angebote, wobei wir feststellen müssen, dass die Mitarbeitenden im Angestelltenverhältnis deutlich offener für die Gesamtthematik „Gesundheit“ sind, als dies bei den gewerblichen Mitarbeitenden der Fall ist.

Zeigten sich schon erste Erfolge durch die Maßnahmen und wenn ja, wann wurden diese sichtbar?

Erfreulicherweise stellten sich schon recht schnell erste Erfolge ein, die durch einen sinkenden Krankenstand auch sichtbar wurden. Durch die speziellen Rückenschulen ist die Diagnosehauptgruppe „Rücken/Skelett“ in besonders betroffenen Bereichen erfreulicherweise deutlich rückläufig.

Waren die gewählten Maßnahmen auf Anhieb erfolgreich? Musste Ihr Unternehmen noch etwas an seinem Vorgehen anpassen?

Selbstverständlich waren nicht alle Maßnahmen auf Anhieb erfolgreich und wir mussten auch nacharbeiten. Beispielsweise wurden die Rückenkurse für unsere Schichtmitarbeiter etwas gekürzt, da nach einer langen Frühschicht ein einstündiger Rückenkurs doch vielen Teilnehmern zu lang war.

Wie veränderte sich das Unternehmen durch die Maßnahmen hinsichtlich beispielsweise der Fehltage, der Zufriedenheit der Mitarbeiter und der Wirtschaftlichkeit?

Die Anzahl der Fehltage haben sich reduziert, daher sehen wir unsere Hauptaufgabe darin, dieses Niveau zu halten. Die Senkung des Krankenstandes und die Minimierung der Entgeltfortzahlungskosten hat selbstverständlich einen positiven Effekt hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit.

Wie steht es heute um die Unternehmensgesundheit und wie wollen Sie langfristig vorgehen?

Im Hinblick auf den demografischen Wandel und der längeren Lebensarbeitszeit müssen wir alle gemeinsam alles daran setzen, die Mitarbeitenden so lange wie möglich bei guter Gesundheit zu halten. Hier ist zunächst der Mitarbeitende selbst gefordert, denn der Arbeitgeber kann hier immer nur unterstützend Hilfestellung leisten. Im Unternehmen müssen hierfür die Rahmen- und Arbeitsbedingungen stimmen und die Vorgesetzten müssen durch gesundes Führen mit positivem Beispiel voran gehen.

Haben Sie abschließend einige Tipps für Unternehmen, die darüber nachdenken, ebenfalls die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern?

Wie gesagt muss es ein Zusammenspiel aller Beteiligten geben, bei dem aber zuallererst dem Mitarbeitenden bewusst werden muss, dass der Mensch viel mehr für seine Gesundheit tun bzw. diese beeinflussen kann, als er denkt, und eine Krankheit häufig eine Ursache hat, die der Mitarbeitende u.U. beeinflussen kann. Erst wenn dies dem Mitarbeitenden bewusst ist und er offen und empfänglich für die Thematik Gesundheitsförderung ist, können die unterstützenden Unternehmensmaßnahmen auch greifen und zum gemeinsam Erfolg aller Beteiligten führen.

Vielen Dank für Ihre Antworten und Erfahrungen!

Interview: Anja Gebhardt (Redaktion HCC-Magazin)

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.