Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interviewreihe (Teil 5)

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Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interviewreihe (Teil 5)
Bild: HUMAN CAPITAL CARE

Im 5. Teil der Interviewreihe zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) spricht Michael Hoeckle, Veranstalter der Messe HUMAN CAPITAL CARE und Geschäftsführer der Eventus49 GmbH, über die Erfolgsstory eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements und wie es sich noch optimieren lässt.

Wodurch zeichnet sich ein erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement aus?

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird dann erfolgreich, wenn es wie bei jedem Managementprojekt gut geplant und strukturiert ist, klare Zieldefinitionen hat und vor allem kontinuierlich und ganzheitlich angegangen wird. Oft wird die Integration von BGM als frustrierend und ineffizient angesehen, weil das Unternehmen gleich zu große Erwartungen, besonders in puncto ROI (Return on Investment) daran hat. Gesundheit ist ein langfristiges Ziel und kann nicht mal eben eingeführt werden. Erfolgreich wird es, wenn die Ziele vernünftig sind und kontinuierlich verfolgt werden. Der Steuerungskreis sollte eine regelmäßige Funktion haben, die den PDCA-Kreislauf (Plan-Do-Check-Act) stetig überwacht. Die Integration der wichtigsten Schnittstellen im Unternehmen ist ausschlaggebend für den Erfolg und sollte daher Funktionen wie Betriebsrat, Werksmedizin, Personal und Geschäftsführung vereinen. Je nach Unternehmensgröße kann auch ein zweiter Steuerungskreis auf Mitarbeiterebene eingeführt werden. Aber bei allen erfolgreichen Unternehmen kam immer zum Vorschein, dass die Unternehmensführung voll dahinter steht.

Kann man einen Status Quo eines Unternehmens vor dem Hintergrund der Integration von betrieblichem Gesundheitsmanagement auf die Schnelle ermitteln?

Es gibt verschiedene Wege, dies zu tun. Eine aufwändige Methode ist es, eine Analyse mit Kriterien und Messwerten zu starten. Diese sind in der Regel so eindeutig, dass der Bedarf schnell dargestellt wird. Sich im Vergleich zu anderen Unternehmen mit Zahlen vergleichbar zu machen, wird schwieriger. Auf den Status Quo im laufenden BGM gibt es verschiedene Preise wie den Corporate Health Award, den HAWARD® Health AWARD, oder den TOP Gesundheitsmanagement Award. Im Bereich des Corporate Social Responsibility (CSR), bei welchem betriebliches Gesundheitsmanagement ein Bestandteil ist, gibt es z.B. die Preisverleihung TOP JOB. Die einfachste Methode, um schnell einen Überblick zu bekommen, ist die Verwendung des Bewertungstools der IHK. Sie finden 20 Fragen, deren Antworten mit einer fundierten Befragung als Basis abgeglichen werden. (zum Artikel im HCC-Magazin)

Wann wird betriebliches Gesundheitsmanagement in einem Unternehmen effektiv spürbar und was sind erste messbare Erfolgsfaktoren eines BGM’s?

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird schon dann spürbar, wenn Sie merken, dass die Stimmung besser wird. Gesundheit fängt da an, wo sich der Mitarbeiter auf der Arbeit wohl fühlt. Erste messbare Erfolgsfaktoren sind verstärkte interne Kommunikation zwischen den Mitarbeitern über das Thema, Steigerung der Teilnahmequote an Maßnahmen, erhöhtes Feedback an den Steuerungskreis und natürlich die festgelegten Zielkriterien gemessen. Eine Stimmung im Unternehmen ist auf Anhieb nicht schnell ermittelbar, aber als sensibler Mensch mit Sozialkompetenz spürbar. Diese ist ein wesentlicher Schlüssel zur Übertragung auf die weniger motivierten oder nicht leistungsfähigen Mitarbeiter und erhöht somit die Effizienz des BGM’s. Sie kennen das aus dem Privaten, wenn Sie auf einer Veranstaltung mit guter Laune und viel Freude waren, werden Sie darüber reden, empfehlen und wieder hingehen.

Woran erkennt ein Unternehmen, dass ein betriebliches Gesundheitsmanagement erfolgreich integriert wurde?

Die Integration von BGM ist dann erfolgreich, wenn sich langfristig betrachtet eine positive Entwicklung in der Mitarbeiterbelegschaft und damit im Unternehmen bemerkbar macht. Im VDBW (Artikel im HCC-Magazin) werden folgende Gesundheitsmerkmale eines Unternehmens angeführt:

Organisation:
» Partizipativer Führungsstil
» Flache Hierarchie
» Vertrauenskultur
» Transparenz von Entscheidungen
» Prozessorientierte Arbeitsorganisation
» Teamarbeit
» Weiterbildungsmöglichkeiten
» institutionalisierte Gesundheitsförderung

Person:
» Psychosoziales Wohlbefinden (wenig Angst / Hilflosigkeit)
» hohes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
» hohe Arbeitszufriedenheit
» hohe Motivation
» hohe Bindung an unternehmen
» soziale Kompetenz stark ausgeprägt und verbreitet
» Management-Kompetenz stark ausgeprägt und verbreitet
» Gute körperliche Gesundheit

Verhalten:
» hohe Anwesenheitsquote
» niedrige Fluktuation
» hohe Flexibilität und Innovationsbereitschaft
» Gegenseitige Unterstützung
» Geringer Genussmittelkonsum
» Gesundheitsförderlicher Lebensstil (Ernährung, Bewegung etc.)

Auch betriebswirtschaftlich wird ein Unternehmen eine Änderung der Kostenstruktur im Personalbereich feststellen.

Wie lassen sich nachhaltige Erfolge gewährleisten?

Nachhaltige Erfolge im BGM lassen sich unter anderem durch Kontinuität, wiederholende Analysen, kreatives Change-Management, stetige Kommunikation mit einem an die Firma angepassten Konzept und gezielten Maßnahmen erreichen. Die Berücksichtigung eines mehrjährigen Plans im Konzept ist bei der Integration absolut notwendig, um Nachhaltigkeit zu erzeugen. Bei einem laufenden BGM gilt dies genauso, nur sind die Ziele andere. Ein Schlüssel ist die Verteilung des Budgets auf die Maßnahmen. Es gibt viele Maßnahmen, die wenig bis nichts kosten, aber im BGM sinnvoll sind. Dazu gehören Angebote von Vereinen oder Veranstaltungen wie Firmenläufe, Verbesserung der Versorgungsstruktur der Verpflegung sowie die Schaffung von Erholungsräumen und Angeboten. Kostenpflichtige Angebote sind daher gezielt mit dem Budget und Wirksamkeit bezogen auf die Firmen-, Arbeitsplatz- und Personalstruktur zu betrachten.

Kann ein Unternehmen aus einem erfolgreichen BGM auch noch mehr rausholen?

Auf jeden Fall! Und das sollte auch das Ziel sein. Ein erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht nur die Verbesserung der Kosten- und Arbeitssituation durch besseres Klima und weniger Fehlzeiten. Es ist die gesamte Positionierung des Unternehmens im Personalmarkt, sowohl nach innen, als auch nach außen. Dadurch verringern sich die steigenden Kosten durch erhöhten Recruitingaufwand, eine Verbesserung der Dienstleistungs- und Produktqualität mit einem dadurch verbesserten Image gegenüber Lieferanten und Kunden und daraus leichter erzielbaren Umsätzen. Die Verstrickung ist aus Unternehmenssicht logisch und nachvollziehbar. Nehmen wir das Beispiel betriebliches Gesundheitsmanagement im Vertrieb. Dieser steht immer unter Stress und braucht viel Energie, um die Kunden zufrieden zu stellen. Wenn der Mitarbeiter Gesundheit und Sympathie durch Ausgeglichenheit ausstrahlt, wird der Kunde viel schneller eine persönliche Bindung zum Vertriebsmitarbeiter aufbauen und Umsätze bringen. Denn kein Kunde mag gerne mit einem speckigen und genervten Vertreter unter Zeitdruck zusammenarbeiten. Geschäfte werden im Direktvertrieb auf persönlicher und emotionaler Ebene abgeschlossen, welche das Gesundheitsmanagement harmonisiert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Im 6. Teil dieser Interviewreihe spricht Michael Hoeckle über Betriebliches Eingliederungsmanagement, welches Unternehmen ihren Mitarbeitern anbieten müssen, die längere Zeit erkrankt waren und nun zurück in den Job möchten. Das Interview erscheint am Donnerstag, 21. Februar 2013, im HCC-Magazin.

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