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Vier Auswege aus der Perfektionismus-Falle

„Wenn du willst, dass etwas richtig gemacht wird, dann mach es selbst!“ So denkt laut GfK-Umfrage gut ein Fünftel der Deutschen (s. u. Infografik). Gefährlich wird diese Haltung, wenn man in die so genannte Perfektionismus-Falle tappt. Einmal drin ist es schwer, ihr zu entfliehen. Wir zeigen auf, welche Folgen Perfektionismus für die eigene Gesundheit haben kann und verraten, wie man in nur vier Schritten wieder heraus kommt.

Entkommen, bevor es zu spät ist

Manchmal hilft einfach nur eines gegen Leistungsdruck: Handbremse ziehen und STOP sagen! Doch das fällt gerade „in Zeiten der Globalisierung, Dynamisierung und Drei-Ellenbogen-Gesellschaft, sprich immer weiter, schneller und höher […]“ immer mehr Menschen zunehmend schwerer. Babak Rafati weiß, wovon er spricht. Als ehemaliger FIFA und Bundesliga-Schiedsrichter wurde er oft unter Druck gesetzt. Durch Vorgesetzte, Kollegen, Funktionäre und Fans. Aber auch Rafati selbst hat sich unter Druck gesetzt, denn wem möchte vor einem Millionenpublikum ein Fehler unterlaufen?! Am 19. November 2011 war Rafati an seinem persönlichen Tiefpunkt angelangt. An diesem hat er versucht, sich das Leben zu nehmen. Heute ist Rafati Referent und Mentalcoach, der sich auf Grund der Erfahrungen, die er selbst gesammelt hat, auf die Themen Leistungsdruck, Mobbing, Burnout sowie Stressprävention und betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) spezialisiert hat.

Eigene Ansprüche: Für viele der Stressgrund Nr. 1

Zugegeben, der Fall Rafati ist extrem. Dennoch kann Stress, der aufgrund von Ansprüche (egal, ob diese von außen kommen oder man sie an sich selbst stellt) verursacht wird, gravierende Folgen haben. Darunter zählen: Schlafstörungen, damit verbundene chronische Erschöpfungszustände, Zwangsstörungen, Ängste, Burnout, Depressionen und so weiter, und so fort.

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Die oben eingefügte Infografik zeigt die meistgenannten Stressfaktoren nach Anteil der Befragten in Prozent an. (Quelle: de.statista.com /CC BY-ND 3.0)

Stress verursacht durch die Ansprüche an sich selbst: Für die Deutschen, laut einer jüngst veröffentlichten GfK-Umfrage, der Hauptgrund Nr. 1 (s. o. Infografik). Im weltweiten Vergleich ist Geldmangel der Hauptgrund.

Raus aus der Perfektionismus-Falle: so geht’s

Das Perfide an Perfektionismus ist, dass sie Ursache und Folge zugleich ist. Perfektionismus ist ein nicht zu erreichendes Ziel. Wer versucht dieses Ziel zu erreichen, scheitert zwangsläufig. Das bereits geringe Selbstwertgefühl sinkt noch weiter nach unten, die Angst vor dem Versagen vergrößert sich … . Ein Teufelskreis. Doch es gibt Auswege.

Ausweg Nr. 1: Erkennen, dass gut oft gut genug ist

Wer eine Arbeit nicht zu 100 Prozent erledigt, ist nicht zwangsläufig schlampig oder faul. Manchmal erlauben einem die äußeren Umstände einfach nicht, etwas vollständig zu Ende zu bringen. Bevor man dies jedoch gar nicht abgibt, gibt es lieber im noch nicht fertigen Zustand ab. 80 oder 90 Prozent von etwas sind immer noch mehr als null Prozent.

Ausweg Nr. 2: Den Aufwand an den Ertrag anpassen

Perfektionisten fällt es schwer, Prioritäten zu setzen. Für sie hat alles höchste Priorität! Um das zu ändern, muss man sich selbst kritisch hinterfragen: Wird jede Aufgabe wahrlich dem Aufwand gerecht? Was bringt es mir, wenn ich versuche auch die kleinste Aufgabe zu 100 Prozent zu erledigen? Im Zweifelsfall sagt Ihnen der Kollege beziehungsweise der Vorgesetzte, welcher Aufgabe Sie welcher Priorität einräumen müssen.

Ausweg Nr. 3: Leistungsbereitschaft an Leistungsfähigkeit anpassen

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Haushalt und Arbeit meistern und dabei noch gut aussehen. Menschen, die in der Perfektionismus-Falle stecken, sind besonders stressgefährdet. (Bild: Frederic Frognier / stocksnap.io)

Jeder Mensch hat seine individuellen Stärken und Schwächen. Perfektionisten fällt es schwer, das bei sich selbst zu erkennen und anzunehmen. Beobachten Sie an sich selbst, welche Aufgaben Ihnen leichter von Hand gehen und für welche Sie mehr Aufwand betreiben müssen. Oder bitten Sie Ihren Kollegen oder Vorgesetzten darum, seine Beobachtungen hinsichtlich Ihrer Stärken und Schwächen zu schildern. Passen Sie Ihre Leistungsbereitschaft an Ihre Leistungsfähigkeit an. Ständige Überforderung geht nur zu Lasten Ihrer Gesundheit.

Ausweg Nr. 4: Das Übel an der Wurzel anpacken

Wie bereits erwähnt, ist die Perfektionismus-Falle mehr ein Teufelskreis, als eine Falle. Ausweg 1 bis 3 führen ausschließlich zum Erfolg, wenn man lernst, sich in seiner Unvollkommenheit anzunehmen. Es bringt nichts, sich für seine Fehler zu hassen. Schließlich sind sie keine Schande, sondern „ … das Tor zu neuen Entdeckungen“, so James Joyce.

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